Shorter version of this article has been published in Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 6/1994, pp. 485-496.

Hannu Salmi:

DIE SUCHT NACH DEM GERMANISCHEN IDEAL


Bernhard Förster (1843-1889) als Wegbereiter des Wagnerismus

Der Komponist Richard Wagner (1813-1883) gehört zu den zweifelsohne meistumstrittenen und besterforschten Gestalten des deutschen Kulturkreises. Abgesehen davon, dass seine 13 Opern immer noch zum Standardrepertoire der Opernhäuser gehören, kam seinen Gedanken grosser kultureller Einfluss zu. Nach dem Tode des Tondichters stieg die Wahrung des Wagnerschen Erbes zu einer bedeutenden Frage innerhalb des deutschen Kulturlebens auf. In Zeitungen und Büchern gab man sich offen entweder als Verfechter von Wagners kulturpolitischen Gedanken oder als deren Gegner zu erkennen - man bekannte sich als Wagnerianer oder Antiwagnerianer. Bereits im Jahre 1855 konnte man im Brockhaus Conversations-Lexikon nachlesen, dass "das ganze musikalische Deutschland in zwei grosse feindliche Lager gespalten"(1) sei.

Die Wagnerforschung hat bisher der Gestalt Dr. Bernhard Försters (1843-1889) besonders wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dieser gehörte zugegeben nicht zu den bekanntesten Wagnerianern, versuchte jedoch mit desto grösserem Eifer nach den Lebensmaximen seines Idols zu leben. Durch Wagners Gedanken inspiriert, trachtete Förster geradezu danach, "eine rein germanische Rasse heranwachsen zu lassen."(2) Dies führte schliesslich dazu, dass er 1887 eine deutsche Kolonie, Neu-Germania ("Nueva-Germania") im Urwald von Paraguay gründete. Diese befand sich ca. 180 km nordöstlich von Asunci¢n. Aufgabe dieses "neuen Deutschland" sollte es sein, denjenigen eine Alternative zu geben, denen das unter preussischer Führung geeinigte Deutschland nicht mehr behagte. Försters Ziele waren hochgesteckt, scheiterten jedoch an den Realitäten des südamerikanischen Urwaldes. Als Folge eines plötzlichen Nervenzusammenbruches beging Förster am 3.6.1889 Selbstmord.(3)

Die Förstersche Urwaldkolonie samt der dahinterstehenden Ideologie bieten interessante kulturhistorische Gesichtspunkte, wobei überspannter Wagnerianismus, europäische Emigration nach Südamerika, Enttäuschung über das Deutsche Reich, kräftiger Antisemitismus und Furcht vor Aufweichung traditioneller Werte durch gesellschaftliche Umbrüche eine bemerkenswerte Verbindung eingehen. Bernhard Försters Auslegung des Wagnerschen Gedankengutes, insbesondere der Versuch, seinen Traum von einem rein deutschen Gemeinwesen zu realisieren, weist Merkmale auf, die dem Wagnerianismus in seiner Ganzheit wesenseigen sind.

Der in Försters Fall zutage tretende Wagnerianismus scheint überdies starke Bezüge zu jenen Veränderungsprozessen in der deutschen Kultur aufzuweisen, die schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen und erst mit dem Scheitern des Nationalsozialismus in den 40er Jahren dieses Jahrhunderts zu einem Ende gelangten.

Der Zauberlehrling

Der 1843 geborene Förster studierte an den Universitäten Berlin und Göttingen Geschichte, Deutsch und alte Sprachen. Während seiner Studienjahre nahm er an zwei Kriegen teil. Als Preussen und österreich 1866 Krieg führten, kämpfte er in den Truppen des Grossherzogs von Mecklenburg gegen Bayern. Desgleichen nahm er am deutsch-französischen Krieg von 1870 teil, wobei er für seine Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz dekoriert wurde. Nach der Vereinigung Deutschlands (1871) arbeitete Förster als Lehrer am Friedrich-Gymnasium Berlin sowie an der Kunstschule zu Berlin. Im Laufe der Jahre begeisterte sich Förster immer mehr für Kunst, im Besonderen für die Musik. Er bekannte sich als Bewunderer des Komponisten Richard Wagner und trat dem Berliner Wagnerverein bei.(4)

Seine glühende Wagnerverehrung brachte Förster bei einer Versammlung dieses Vereines in dem Vortrag "Richard Wagner als Begründer eines deutschen Nationalstils" zum Ausdruck. Die Schrift wurde in den Bayreuther Blättern, dem Sprachrohr der Wagnerianer, im April des Jahres 1880 veröffentlicht. Laut Förster hatte Wagners Kunst zur Wiedergeburt eines alldeutschen Nationalstiles geführt. Hierbei ging es nicht bloss um Wagners Kunst sondern um sein ganzes Leben mitsamt seinem Schaffen als Dichter, Schriftsteller und Denker.(5) Für Förster war Wagners Stil der Stil des rechten Lebens schlechthin.(6)

Mehrere Jahre seines Lebens weihte Förster der Erforschung von Wagners Gedanken. Nach seinem Dafürhalten hatte Wagner in seinen Schriften und seiner Musik den Deutschen den Weg gewiesen, den zu beschreiten man baldigst versuchen sollte. Der Meister selber hatte viel Zeit auf das Schreiben verwendet, wobei er bestrebt war, Einfluss auf das Selbstverständnis der Deutschen zu nehmen. Aus seiner Feder stammten unter anderem die Texte Was ist deutsch? (1865) und Deutsche Kunst und Politik (1867/1868).(7)

Wagner glaubte zu wissen, worin das wahrhaftige Deutschtum bestand, und fühlte sich dazu berufen, anderen seine Erkenntnisse mitzuteilen. In seinem Tagebuch Das Braune Buch schrieb er überschwenglich: "Ich bin der deutscheste Mensch, ich bin der deutsche Geist. Fragt den unvergleichlichen Zauber meiner Werke, haltet sie mit allem übrigen zusammen: Ihr könnt für jetzt nicht anderes sagen, als - es ist deutsch!"(8)

Bernhard Förster hielt Wagner für den deutschesten aller Deutschen, für einen bahnbrechenden Menschen, dessen Anschauungen in Deutschland jedoch noch nicht die ihnen gebührende Beachtung gefunden hatten. In der immer leidenschaftlicher geführten Auseinandersetzung zwischen Wagnerianern und Antiwagnerianern ergriff Förster Partei für sein Idol. Im Jahre 1883 veröffentlichte er das Werk Parsifal-Nachklänge. Allerhand Gedanken über Deutsche Cultur, Wissenschaft, Kunst, Gesellschaft, "Allen ächten Anhängern Richard Wagners gewidmet." Die zweite Auflage des Werkes wurde im Jahre 1886 unter dem Namen Richard Wagner in seiner nationalen Bedeutung und seiner Wirkung auf das deutsche Kulturleben herausgegeben.

In diesem fragmentarischen Text versuchte Förster die Bruchstücke der wagnerschen Weltanschauung vom Vegetarianismus bis hin zur Oper zu einer Ganzheit zusammenzusetzen. Gleichzeitig ging es dabei auch um eine Art Popularisierung von Wagners Botschaft, die sich allerdings nicht an "bereits Eingeweihte" richtete. Im Vorwort der Schrift hiess es: "Denen, welche ihren Plato, Schopenhauer und Goethe nachdenklich gelesen haben, Richard Wagners und Paul de Lagarde's philosophische und kulturgeschichtliche Werke kennen, glaube ich in der That etwas wesentlich Neues nicht gesagt zu haben."(9)

Wie der Titel schon vermuten lässt, enthält das Werk eine Art Nachlese von Wagners Oper Parsifal. Im Jahre 1882 weilte Förster in Bayreuth, wo er am 29. August der Uraufführung des Parsifal in dem vom Maestro eigens entworfenen Opernhaus beiwohnte. Der Anblick hinterliess einen unauslöschlichen Eindruck.(10) Die durch die Oper geweckten Gedanken liess Förster daraufhin in oben erwähnte Parsifal-Nachklänge einfliessen. Interessanterweise handelte es sich dabei so gut wie gar nicht um rein musikalische Themen. Der Terminus "Wagnerianismus" hatte sich zu einem Etikett für eine ganze Weltanschauung ausgeweitet. So wird der Begriff des Wagnerianismus denn auch im allgemeinen aufgefasst. In Frankreich z.B. gab Edouard Dujardin 1885-1887 das Blatt Revue wagnerienne heraus, worin jedoch nur in Ausnahmefällen musikalische Themen abgehandelt wurden. Auch hier wurden vor allem allgemeine kulturelle und soziale Fragen erörtert.

Zu Beginn seines Buches behandelte Förster "das Kunstwerk der Zukunft". Die überschrift dieses Kapitels entnahm er direkt Wagners umfassender Schrift gleichen Titels, dessen Erstauflage im Jahre 1849 erschienen war. Förster gelangte zu der Feststellung, dass Wagner selbst jener herbeigesehnte "Künstler der Zukunft" sei.(11) Des Meisters letzte Oper, Parsifal, sah er als Meilenstein in der deutschen Kunst an.(12) Für Förster war es ein Axiom, dass "Wagners Kunst die deutsche Kunst par excellence"(13) sei.

Seine Erörterungen liessen Förster bei dem Schlusssatz enden, dass in Wagner alle förderungswürdigen urdeutschen Tugenden verkörpert seien. "Alle in unserem Volksleben thätigen Kräfte, die sich seit frühester Jugend als ewig und allgemein gültig erwiesen haben: alt-arische Weisheit, Idealismus, die Verklärung und Veredelung des germanischen Wesens durch das Christenthum, die heldenhafte Tapferkeit, die unentwegte Treue - alles dieses findet Raum in der durch wiederentdeckte Musik gehobene und geadelte Form der Tragödie Richard Wagners."(14) Förster hob hervor: "Deutsch ist für uns die Kunst Richard Wagners."(15)

Zwischen den Zeilen streifte Förster flüchtig Wagners politischen Hintergrund. Im Mai 1849 hatte Wagner in Dresden an der Erhebung gegen den sächsischen König teilgenommen. Wagners Mitstreiter waren der Musiker und Redakteur August Röckel und der russische Anarchist Michail Bakunin, desweiteren der Architekt Gottfried Semper, der in Dresden die vermutlich besten Barrikaden der Revolutionsgeschichte errichtete. Nach Niederschlagung des Aufstandes wurden Röckel, Bakunin und Wagner zum Tode verurteilt, jedoch gelang es Wagner sich seiner bevorstehenden Ergreifung durch die Flucht ins benachbarte Jena zu entziehen. Diese Episode hat vielen Wagnerforschern Kopfzerbrechen bereitet. So mancher Biograph musste sein ganzes schreiberisches Können aufbringen, um Wagners Eskapade in einen glaubhaften Rahmen einordnen zu können. Recht kennzeichnend sind die Worte des finnischen Biographen Bruno Nurmi: "Es lässt sich die Behauptung aufstellen, dass Wagner, sozusagen ohne grösseres eigenes Dazutun, gezwungen durch den Geist der historischen Situation, in den Strudel der revolutionären Ereignisse gezogen wurde. Seine Anschauungen waren zwar revolutionärer Natur, blieben aber auf den künstlerischen Bereich, d.h. hier vor allem auf das Musikalische, beschränkt. Politisch jedoch hat sich Wagner immer im Abseits gehalten."(16)

Försters Ansicht zu Wagners revolutionären Betreibungen ist nachvollziehbar. Nach seinem Empfinden war die Revolution von 1848-49 gegen das herrschende System gerichtet, wobei sich allerdings höchst unterschiedliche Gruppierungen und Persönlichkeiten mit weit auseinanderdriftenden Motiven zusammengefunden hätten. Wagner habe sich deshalb beteiligt, weil er an die Reinheit der Ideen - d.h. Freiheit und Gleichberechtigung - geglaubt habe.(17)

Erst nach den Ereignissen des Jahres 1849 habe Wagner - so Försters Erklärung - begriffen, dass derartige Ideale in Deutschland nicht zu verwirklichen seien. "Allmählich begann er die deutsche Geschichte zu verstehen, die unserem Volksleben freundlich und feindlich gesinnten Mächte zu erkennen."(18) Angeblich sollen die Dresdner Geschehnisse des Jahres 1849 Wagner wichtige geistige Anregungen vermittelt und ihn dahin geführt haben, dass ihm "das Judentum als der unversöhnlichste, verhängnisvollste Feind der deutschen Kunst erschien."(19)

Försters politisches Denken gipfelte in heftigem Antisemitismus, wobei er sich wiederum treu im Kielwasser seines Lehrvaters bewegte, hatte doch Wagner schon 1850 in seiner Schrift Das Judentum in der Musik sowie bei anderen Gelegenheiten gegen die Juden Front gemacht.(20)

Die Parsifal-Nachklänge vermögen manchen aufschlussreichen Fingerzeig bezüglich Wagnerbewunderung und Wagnerianismus zu geben. In seinem Buch unterstützt Förster jeden Gedanken seines Idols. Trotz seines begrenzten Umfanges geht es überdies noch auf eine heisse Streitfrage jener Zeit ein, die Vivisektion.

In den letzten Jahren seines Lebens hatte Wagner demonstrativ vegetarisch gelebt. Dies war als aktiver Protest gegen die Verstümmelung von Tieren gedacht, die in der Wissenschaft unter dem Namen Vivisektion betrieben wurde. Die Tierschutzfrage löste seit Beginn des Jahres 1882 geradezu reichsweite Diskussionen aus. Der Reichstag selber griff das Thema am 23.1.1882 auf. Förster ergriff die Gelegenheit, um sich mit seinem Kommentar Die Frage der Vivisektion im Deutschen Reichstage an die öffentlichkeit zu wenden. Förster kritisierte die geführte Reichstagsdebatte darin, dass man dort nicht über die Abschaffung der Vivisektion, sondern lediglich über die Abschaffung von deren Missbrauch verhandelt habe.(21)

Das Presseorgan der Wagnerianer, die Propagandazeitschrift 'Bayreuther Blätter', hatte den Widerstand gegen die Vivisektion bereits 1879 zu ihrem Thema gemacht, als Richard Wagner in diesem Blatt zu Ernst von Webers Werk Die Folterkammern der Wissenschaft schrieb.(22) Zu einem späteren Zeitpunkt griffen die Bayreuther Blätter das Thema in zwei Sonderbeilagen erneut auf: 1881 wurde Richard Nagels Studie "Der wissenschaftliche Unwerth der Vivisektion in allen ihren Arten"(23) veröffentlicht. 1882 folgte Otto Rabes Vortrag "Die Thierschutzfrage im Lichte der vegetarischen Weltanschauung".(24) Letztgenannter enthielt auch eine Liste von "für Vegetarianismus und Humanität kämpfenden Zeitschriften". Diese beinhaltete neben dem 'Thier- und Menschenfreund' auch die 'Bayreuther Blätter'.(25)

In letztgenannter Zeitschrift konnte man sogar nachlesen, dass bei den folgenden Bayreuther Festspielen für Vegetarier ein besonderer Tisch mit pflanzlicher Kost bereit stünde.(26) Der Vegetarianismus wurde so allmählich zu einem kleinen, wenngleich wesentlichen Mosaikstein innerhalb der wagnerianischen Lebensauffassung. Aus diesem Grunde taucht das Thema auch in den Parsifal-Nachklängen wieder auf. Da der Widerstand gegen die Vivisektion und "die reine Menschlichkeit" angeblich einander bedingen, verstieg sich Förster in die Behauptung, dass nur der Vegetarier dazu in der Lage sei, Parsifals zutiefst menschliches Innere zu begreifen.(27) Zu solchen haltlosen Behauptungen gesellte sich dann noch sein Judenhass, der sich mit erstaunlichen åusserungen geltend machte, wie z.B.: "Ein Kulturminister jüdischer Herkunft nimmt die Brutalität der Professoren öffentlich in Schutz."(28)

Mit diesen und ähnlichen åusserungen glaubte Förster alle Gleichgesinnten um sich scharen zu können, d.h. all diejenigen Wagnerianer, die sich dazu berufen fühlten, des Meisters heilige Botschaft weiterzuvermitteln und den Kampf mit den "Feinden" aufzunehmen. Oder, mit Försters Worten: "Wir wissen, dass wir zusammengehören; nicht nur die Person des Meisters giebt uns einen erkennbaren Mittelpunkt, vor Allem erfüllt uns die heilige Sache, welcher wir uns zugeschworen haben, mit dem gleichen Eifer, das Gute - das heisst das uns Ariern Verwandte - zu wirken, das Böse - das Unarische in und unter uns - zu bekämpfen."(29)

Der Verkündiger des Antisemitismus

Eingangs wurde bereits wiederholt auf Försters Antisemitismus aufmerksam gemacht, welcher sich wie ein roter Faden durch seine Schriften zieht. 1881 veröffentlichte er ein Büchlein zu diesem Thema namens Das Verhältnis des modernen Judentums zur deutschen Kunst, welches auf einem Vortrag beruhte, den er im Berliner Wagnerverein gehalten hatte. Zum literarischen Vorbild hierfür erhob er selbstredend einen Text Wagners (Das Judentum in der Musik), den jener unter dem Namen K.Freigedank in der Neuen Zeitschrift für Musik veröffentlicht hatte (3. und 6.9.1850). In Buchform kam der Text erst 1869 heraus. Gleichzeitig gab K. Freigedank der öffentlichkeit seine wahre Identität preis.(30)

Für Förster hatte Wagner als eine Art Gewissen der Nation gewirkt, als er die Judenfrage aufgriff. Er habe eine Sache angepackt, welche in Angriff zu nehmen andere sich noch nicht getraut hätten. "Der Künstler (ist) der Führer, gewissermassen der Prophet seiner Nation; er drückt das aus, was die anderen gern gesagt hätten, aber nicht zum Ausdruck bringen konnten; der Künstler wurde der geistige Befreier für viele; er nahm die Dunkelheit vor ihren Augen, den Bann von ihren Ohren; er wurde das Organ für die Grundstimmung seines Volkes."(31)

Die Schlussfolgerungen aus Försters Schrift waren und sind düster: Er betrachtete die Juden als Parasiten, die sich im deutschen Volkskörper eingenistet hätten. Andererseits bereite dieses Parasitendasein ihnen auch vielerlei Schwierigkeiten: "Der Organismus, der von Parasiten behaftet ist, freut sich derer nicht, und der Parasit wird gemisshandelt, verfolgt und gering geachtet."(32) Abschliessend hoffte er - 50 Jahre vor dem Dritten Reich - auf ein trauriges Ende des Judentums. "Wir wollen lieber dieses unglücklichste aller Naturproducte, den 'homo sapiens judaco-progrediens communis', - wie die Naturforscher sie nennen - in ihrer eigenen Nichtigkeit lassen."(33)

Obwohl Wagner sein antijüdisches Pamphlet im Jahre 1869 als Buch veröffentlichte, wurde er im Laufe der Jahre immer vorsichtiger, was åusserungen in dieser Sache anbelangte. Er brauchte alle erdenkliche Unterstützung zur Verwirklichung seines Traumes, der grossen Bayreuther Festspiele, die nur seinem Werke geweiht sein sollten. Darüberhinaus gab es in Wagners Bekanntenkreis viele Juden(34), weshalb eine vorsichtigere Gangart angezeigt war.

Seine Vorsicht kommt beispielsweise in seinem Brief an Ottomar Beta zum Ausdruck (18.Mai.1873). Beta hatte das Buch Die semitische und die germanische Race im neuen deutschen Reich geschrieben, welches 1874 herauskam. Beta hatte hierbei Wagner gebeten, ihm das Werk widmen zu dürfen. Wagner überdachte die Sache, lehnte diese Ehrenbezeigung jedoch schliesslich ab. Statt dessen schlug er vor, dass Beta das Buch Otto von Bismarck widmen möge. Als Vermittler hierfür empfahl er seinen guten Freund Lothar Bucher. Seine Ablehnung begründete Wagner damit, dass er diejenigen unter seinen Freunden, die ihre Beziehungen zum Judentum noch nicht geklärt hätten, nicht vor den Kopf stossen wolle.(35)

Gegen Ende seines Lebens zeigte Wagner in der Judenfrage eine vorsichtigere Haltung, weil er sich bewusst von der Welle des neuen Antisemitismus distanzieren wollte. Als man 1880 eine antijüdische Petition lancierte, verweigerte Wagner seine Unterschrift. Die für das Manifest verantwortliche Person war niemand anders als Bernhard Förster, der sich gerade der von Adolf Stöcker gegründeten "Berliner Bewegung" angeschlossen hatte. In besagter Schrift wurde die Behauptung erhoben, dass der schlimmste Feind des deutschen Volkes dessen jüdisches Element sei, das geradezu den ganzen Staat unter Kontrolle habe. Der grösste Teil des Kapitals sei in jüdischer Hand konzentriert, kosmopolitische Pseudoideale hätten "das germanische Ideal persönlicher Ehre, Mannestreue, (und) echter Frömmigkeit" beiseite geschoben. Zur "Emancipation des deutschen Volkes" schlug die Petition straffe Massnahmen vor: Begrenzung der Einwanderung, Entfernung der Juden aus wichtigen åmtern, Verstärkung des Religionsunterrichtes in der Schule, Anerkennung von jüdischen Lehrern nur im Ausnahmefall.(36) Unter denjenigen, die ihre Unterschrift unter die Petition setzten, fanden sich u.a. auch der Hofprediger Adolf Stöcker, der Pianist und Kapellmeister Hans von Bülow (Cosima Wagners erster Ehemann) sowie Hans von Wolzogen, erster Chefredakteur der 'Bayreuther Blätter', der Försters Kontaktmann in Bayreuth war. Bei der Unterschriftensammlung war Förster bestrebt, Wagners einflussreichen Namenszug zu bekommen. In Briefen an Hans von Wolzogen bat er wiederholt darum, dass jener sich um die Einholung von Wagners Unterschrift bemühe.(37) Förster selber stand nämlich nicht in einem derartig nahen Verhältnis zum Maestro, als dass er es gewagt hätte, diesen persönlich darum zu ersuchen. Nach vielen Versuchen musste das Papier allerdings ohne Wagners Unterschrift herauskommen, da dieser nicht dafür zu gewinnen war.

Laut Bernhard Förster gehörte der Antisemitismus wesensmässig zur wagnerianischen Weltauffassung. Daran glaubte er ungeachtet der Tatsache, dass Wagner selber eine eher lavierende Haltung einnahm. Förster hatte Wagner zu seinem Leitstern erhoben, eine nachträgliche Berichtigung des Idolbildes war ihm offenbar nur schwerlich möglich. "Sein" Wagner gehörte grösstenteils in den Bereich der Fiktion, als Widerspiegelung seiner eigenen Hoffnungen und Träume.

Ein ideales Deutschland

Auf kurz oder lang musste Förster einsehen, dass Petitionen und Pamphlete nicht die gewünschte Wirkung erzielten. In Berlin hielt sich die Begeisterung für die Segnungen des Wagnerschen Weltbildes in engen Grenzen. Bereits Wagner selbst hatte sich an Otto von Bismarck gewandt und diesen dabei demütig um die staatliche Absegnung seines künstlerischen Grossprojektes gebeten.(38) Bismarck antwortete schliesslich auf Wagners Ersuchen am 21.2.1871, versprach jedoch nichts Konkretes sondern dankte lediglich höflich für den erhaltenen Brief.(39) Als Wagner fünf Jahre später direkte Hilfe von Bismarck zur Erbauung des Bayreuther Festspielhauses erbat, erhielt er darauf am 15.1.1876 eine ernüchternde Antwort, worin Bismarck ihn dazu anhielt, sich mit seiner Bitte direkt an den Reichstag zu wenden.(40)

Die entscheidende Unterstützung kam letztlich nicht aus Berlin sondern aus München, d.h. von König Ludwig II., welcher bereits zu einem früheren Zeitpunkt Wagners Sache gefördert hatte. Kein Wunder, dass Cosima Wagner im Jahre 1874 den Ungarn von Balaszy folgendermassen zitiert: "Wenn Bismarck wirklich grosse deutsche Politik triebe, keine speziell preussische, wie würde er das Wagner'sche Unternehmen unterstützen !"(41) Ein Jahr später schrieb Wagner dem New Yorker Musikverleger Gustav Schirmer, der ihm versprochen hatte, die Wagnerschen Texte an die in die Vereinigten Staaten emigrierten Deutschen weiterzuleiten: "Vielleicht begreifen diese meine Ideen dann schneller als die Fürsten und Behörden des deutschen Reiches, deren Ideen über deutsche Kultur mir wiederum bis jetzt unverständlich geblieben sind."(42)

Die Staatsmacht zeigte Wagner kein Entgegenkommen. Es gibt sogar Anzeichen dafür, dass Wagner eine Emigration in die Vereinigten Staaten erwog. Als Vermittler zwischen Wagner und der amerikanischen Botschaft fungierte der Zahnarzt der Familie Wagner, Newell S. Jenkins, der in den Jahren 1875-1883 in Deutschland gewohnt hatte. Wagner schätzte die Kosten für die Uraufführung seines Parsifals in den USA auf ca. 1.000.000 $. Diese Möglichkeit erwog er in den Jahren 1880-1881, musste sie jedoch auf Grund seiner schwachen Gesundheit aufgeben.(43)

Der eifrige Wagnerianer Bernhard Förster musste feststellen, dass in der herrschenden deutschen Gesellschaft bestenfalls eine partielle Verwirklichung der Wagnerschen Visionen möglich gewesen wäre. Daher kam Förster auf den Gedanken, ein "ideales Deutschland"(44) zu gründen, hatte sich doch das alte als handlungsunfähig erwiesen. Den Begriff des "idealen Deutschland" hatte er schon im Schlusskapitel seiner Parsifal-Nachklänge hervorgebracht. Dieses neugeborene Deutschland sei nicht durch künstliche, aufgesetzte Kultur noch durch Falschheit und Korruption gekennzeichnet. "Denn in Neu-Germania wollen wir nicht liberal sein, sonder frei, nicht human, sonder menschlich, nicht konservativ, sondern deutsch."(45) Die Herolde des neuen Deutschland hätten nur das mitzunehmen, was wahrhaftig deutsch ist. Förster schrieb: "Alles wesentlich Deutsche nehmen wir mit uns: unseren unbeugsamen Muth, den Glauben an unsere Mission, die Ideale im Herzen, die Liebe zur Wahrheit, das Streben nach Erkenntnis, das Evangelium Christi."(46) Bemerkenswerterweise erwähnt obiges Verzeichnis Wagners Kunst mit keinem Wort. Förster schien der Meinung zu sein, dass Kunst nur insoweit Bedeutung habe, als dass sie dasjenige näherbringen zu vermag, was einmal als das wahre Deutschtum erkannt worden ist. Nachdem die rechten Werte den ihnen gebührenden Platz wieder eingenommen hätten, verlöre die Kunst somit ihre Funktion. Försters Gedanke war es, nur grundlegende Werte mitzunehmen, während kompliziertere kulturelle Mechanismen zu vergessen seien.

Laut Förster seien die wahrhaft deutschen Werte die wichtigsten, ja sogar lebenswichtig, denn ohne ihr Vorhandensein könne die Volksgemeinschaft keinen dauerhaften Bestand haben. 1885 schrieb er, dass das deutsche Volk so krank und die herrschenden Kreise so undeutsch seien, dass das Leben in diesem Lande beinahe eine Unmöglichkeit sei.(47) "Ich sah, wie Tausende in jedem Jahre dem Vaterland den Rücken wandten, nicht weil sie wollen - wie gern wären die Meisten von ihnen geblieben, wie peinigt sie jahrelang, vielleicht für immer, das tiefschmerzliche Gefühl der Sehnsucht nach der Heimath ihrer Väter, welche die ihrige nicht mehr ist - sondern weil sie müssen, weil materielle oder moralische Noth ihnen das Leben in Deutschland unmöglich macht, weil das Vaterland ihnen ein Stiefvaterland geworden ist, weil eine bis ins Mark unvolksthümliche Gesetzesmacherei dem geraden und einfachen Menschen das Leben hier zur Last und Pein macht, weil endlich der, welcher sich selbst vielleicht noch zu opfern den passiven Muth hat, doch seine Kinder in eine gesündere und reinlichere moralische Atmosphäre zu verpflanzen die Verpflichtung fühlt, dass es denn in Deutschland nachgerade eine der allerschwierigsten Aufgaben geworden ist: Knaben zu Männern und Mädchen zu Frauen zu erziehen."(48)

Das aufgeführte Zitat belegt nicht nur die Sehnsucht nach besseren Lebensbedingungen in der Ferne, es dokumentiert auch die moralische Krise des ausgehenden 19. Jahrhunderts, welche durch fortschreitende Wandlung und Modernisierung entstanden war. Zu befürchten war ein Kollaps des damaligen Wertesystems. Dieser Hintergrund erhellt auch ein Stück weit Försters Antisemitismus, waren es doch nicht zuletzt jüdische Denker, die massgeblichen Anteil an den Geisteströmungen jener Zeit hatten. Man denke nur daran, welche Kreise Karl Marx' Gedankengut zog. Zu Karl Marx gesellten sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts noch weitere jüdische Intellektuelle und Künstler. Genannt seien nur Namen wie z.B. Sigmund Freud (Psychologie), Albert Einstein (Physik), Arnold Schönberg (Musik). Hitlers nachmalige rabiate Reaktion gegen das Judentum mutet an wie der Versuch, die Uhr der Geschichte zurückdrehen zu wollen, um eine Wertewelt zu retten, deren Stunde schon geschlagen hatte. Försters Hinwendung zum Vergangenen ähnelt dem Hitlerschen Unterfangen, einen Strich unter die Geschichte ziehen zu wollen, wenn auch in unvergleichlich bescheidenerem Massstab.

Försters einziges Rezept zur Lösung des Problems bestand in der Emigration. Er begann darüber zu spekulieren, wo das geeignete Paradies für ein neues deutsches Gemeinwesen zu finden sei. Nach kurzer Bestandsaufnahme stellte er das Axiom auf, dass ein hierfür geigneter Platz nicht in der nördlichen Hemisphäre zu finden sei, besonders nicht in Ost- oder Südosteuropa, wo sich zu früheren Zeiten bereits Deutsche niedergelassen hatten. Nach seinem Dafürhalten seien die besten Gebiete in Südamerika zu finden, genauer gesagt in Paraguay.(49)

Um die praktischen Seiten einer Koloniegründung auszukundschaften, beschloss Förster, vor Ort Erkundigungen anzustellen. Am 2. Februar des Jahres 1883 bestieg er in Hamburg ein Dampfschiff namens Cear…. Destination: Montevideo, Hauptstadt Uruguays. Die Reise mit dem neuen Schiff der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiff- Gesellschaft verlief günstig, so dass am 2. April die uruguayanische Küste in Sichtweite geriet. Stürme auf der Nordsee und Strömungen in der Bucht von Biskaya hatten die Reise um zwei Tage verzögert.(50)

Alles in allem nahm Försters Erkundungsreise ungefähr zwei Jahre in Anspruch. Von Montevideo begab er sich auf dem Landwege in die Landeshauptstadt Asunci¢n. Förster inspizierte den Aufbau des Erwerbslebens, die politischen Umstände, Fauna und Flora sowie die Stellung der Ureinwohner. Er prägte sich seine Beobachtungen gewissenhaft mit der Absicht ein, jene nach seiner Heimkehr in Buchform zu veröffentlichen. Während seiner Reise verfasste er oft Briefe nach Deutschland, vor allem an seinen Freund Hans von Wolzogen, der sein treuer Unterstützer in Bayreuth war. Gegen Juni 1883 stattete er der Siedlung San Bernardino einen Besuch ab. Diese Ansiedlung hatten deutsche Auswanderer bereits früher in Paraguay gegründet. Die Erzählungen der Emigranten ermutigten Förster, so dass er Wolzogen in Briefen davon erzählte, dass gerade Paraguay die allerbesten Voraussetzungen zur Heranbildung eines urdeutschen Menschenschlages böte.(51)

Im März des Jahres 1885 kehrte Förster von seiner Erkundungsreise zurück, worauf er sich wieder an seinen Schreibtisch in Naumburg begab. Nur wenige Monate später verlobte er sich mit Elisabeth Nietzsche, der Schwester Friedrich Nietzsches - gleichsam wie in Eile, da Förster bestrebt war, so bald wie möglich nach Paraguay zurückzukehren. Als erste Tat verfasste Förster ein Pamphlet, welches den Namen Denkschrift über die Anlage deutscher Kolonien in dem oberen Laplata-Gebiete trug. Hierin erörterte er, in welcher Form die Gründung einer Kolonie zu geschehen hätte. Nach seinem Dafürhalten bestünde die beste Organisationsform in einer Art Genossenschaft, der ca. 20 Familien mit einem Kapital von 1.000-10.000 Mark beizutreten hätten, oder in einer Aktiengesellschaft, deren Kapital mindestens 1.000.000. Mark zu betragen habe. Hierbei dachte er auch an die Möglichkeit, dass die Kolonisten neben der Landwirtschaft kleinere Industriebetriebe betreiben könnten, etwa eine Baumwollspinnerei.(52)

Noch im gleichen Jahr gab Förster ein umfassenderes Werk hinaus, das die Gegebenheiten in dem von ihm auserkorenen Gebiet genauer unter die Lupe nahm. Das Buch trug den Namen Deutsche Kolonien im oberen Laplata-Gebiete mit besonderer Berücksichtigung von Paraguay. Förster arbeitete gut fünf Monate daran, nämlich vom 31. April bis zum 2. September.(53) Die Intention des Autors bestand darin, genauere Informationen über das Zielgebiet zu vermitteln. Ebenso ging es ihm darum, potentielle Interessenten für sein Projekt zu gewinnen. Der Schlussteil des Buches gab sogar konkrete Anweisungen, was man nach Paraguay mitzunehmen hätte. Am wichtigsten jedoch sei die rechte Gesinnung, ging es doch um "Läuterung und Neugeburt der Menschheit - somit auch Sicherstellung der menschlichen Cultur."(54)

Neu-Germania entsteht

Bereits im letzten Teil seines Buches hatte Förster die Absicht mitgeteilt, zu Anfang des folgenden Jahres, d.h. 1886, endgültig nach Paraguay zu emigrieren.(55) Vor Ankunft der ersten Siedler stand Förster allerdings noch vor der Aufgabe, ein Stück Land von geeigneter Grösse abzusichern, sowie sonstige Formalitäten und Vorbereitungsmassnahmen abzuwickeln. Hierzu waren insbesondere mit der paraguayanischen Regierung Verhandlungen zu führen.

Bernhard Förster betrat am 15.2.1886 erneut das Deck des Dampfschiffes Cear…, diesmal zusammen mit seiner Frau Elisabeth. Zuvor hatte er mit der Zeitschrift 'Deutsche Weltpost' vereinbart, dass diese in regelmässigen Zeitabschnitten über das Vorhaben der Kolonisten berichte und Auskünfte an diejenigen weiterleite, die sich mit dem Gedanken an die Emigration trügen.(56)

Die Försters erreichten Montevideo Mitte April und liessen sich vorläufig in Asunci¢n nieder. Auf seiner ersten Reise hatte Förster ein zur Ansiedlung geeignetes Gebiet ausgemacht, welches sich rund 180 km nordöstlich von Asunci¢n befand, in der fruchtbaren Landschaft zwischen dem Rio Aguaray guazu und dem Rio Arroyo Aguaray-mi. Nach Verhandlungen willigte die paraguayanische Regierung ein, ein Gebiet von 12 Quadrat-Leguas, das entspricht 600 km2, zu Siedlungszwecken zur Verfügung zu stellen. Allerdings machte man Förster zur Auflage, eine Kautionszahlung von 2.000 Pesos zu leisten, und forderte desweiteren, dass binnen eines Jahres nach dem Erreichen der ersten Kolonisten wenigstens 140 Familien auf dem Gebiet anzusiedeln seien.(57)

Die Kolonie Neu-Germania erhielt ihre ersten Bewohner Ende Juli 1887, als die Försters selbst dort hinzogen und mit dem Bau der ersten Unterkünfte begannen. Im August traf Bernhard Försters alter Freund Oskar Erck ein, der bei den Vorbereitungen mithalf. Eine grössere Gruppe von Siedlern traf im September ein, wobei alles in allem 40 Familien (160 Personen) von Asunci¢n aus kommend das Gebiet auf dem Flusswege, d.h. über den Rio Paraguay erreichten.(58)

Als Förster ein Jahr später, im Juli 1888, den ersten Jahresbericht NeuGermanias verfasste, war die Einwohnerzahl immer noch dieselbe. Es gab 40 Wohnhäuser, ungefähr 400-500 Rinder, 70 Pferde und ein Dutzend Schweine. Die Einwohnerschaft teilte sich grob gesagt in vier Gruppen: Bauern, Handwerker, Beamte und Pensionäre, die in den Süden gezogen waren, um dort ihren Lebensabend zu verbringen und einen kleinen Garten zu bestellen.(59) Aufgrund ihrer heterogenen Bevölkerung wurde die Neugründung nicht als Produktiv-Genossenschaft, sondern in Form einer Aktiengesellschaft geführt, für die die Hauptverantwortung auf Försters Schultern lastete.

Im Juli 1888 war es noch ein Jahr hin bis zu der von der Regierung gesetzten Frist, ohne dass die Zahl der ansässigen Familien gewachsen war. Förster war dennoch optimistisch: In einem Bericht schätzte er, dass die Grenze von 140 Familien noch im selben Jahr überschritten werden könne.(60) Diese Annahme erwies sich als falsch. In einem Bericht, den Elisabeth Förster gegen Januar-Februar 1889 für die 'Bayreuther Blätter' geschrieben hatte, hiess es, dass die Einwohnerzahl nicht den Erwartungen gemäss gewachsen sei. Elisabeth Förster hielt die von der paraguayanischen Regierung gesetzte Zeitgrenze für eine blosse Förmlichkeit: Sie zu verlängern - etwa auf drei oder vier Jahre - erschien ihr ohne weiteres möglich. Bernhard Förster hatte die Absicht, im Mai 1889 über diese Angelegenheit zu verhandeln.(61)

Die Umstände gestalteten sich jedoch nicht so günstig, wie Elisabeth Förster angenommen hatte. Trotz Verlängerung der Frist konnte Neu-Germania mit einer solch kleinen Anzahl von Siedlern wirtschaftlich nicht zu Rande kommen. Paraguay war zudem gegen Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts in grosse wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, was sich u.a. in rekordartigen Preisanstiegen äusserte. Da Neu-Germanias Produktion noch klein war, konnte es noch nicht als wirtschaftlich autarke Einheit fungieren. Förster hatte daher gar keine andere Wahl als in Asuncion um einen Kredit nachzusuchen.(62) Das grösste übel der Kolonie war es, dass zu wenige ihrer Mitglieder mit der Güterproduktion, also Ackerbau und Viehzucht, befasst waren. Für die wirtschaftliche Autarkie waren allerdings gerade die Bauern und nicht die Kaufleute und Pensionäre ausschlaggebend.

Es verwundert daher nicht, dass der auf Förster lastende Druck immer grösser wurde. Als die von der paraguayanischen Regierung gesetzte Grenze immer näher rückte und der zweite Jahresbericht anzufertigen war, erlitt Förster einen Nervenzusammenbruch und beging Selbstmord. Er starb am dritten Juni des Jahres 1889 um acht Uhr morgens.(63)

Die Vertreibung aus dem Paradies

Bernhard Försters Tod kam für alle unerwartet, nicht zuletzt für seine Frau, die in der Folge die wirtschaftliche Führung des Projektes zu übernehmen hatte. Die Stimmung unter den Siedlern war allerdings schon vorher derart gereizt, dass eine Entladung der Spannungen zu erwarten war. Laut Elisabeth Förster hatte der Direktor der Einwanderung in Paraguay, Schaerer, die Nachricht von Försters Tod mit folgenden Worten kommentiert: "Die falschen Freunde und die Intrigen der Feinde haben ihm das Herz gebrochen."(64) Die Gemüter der Kolonisten hatten sich schon beim Auftreten der ersten Schwierigkeiten erhitzt: Paraguays Ebenen und Urwälder gaben nicht den ersehnten Wohlstand her, wofür man Förster verantwortlich machte. Dieser wiederum bezichtigte die Siedler der Faulheit. Der Kolonie mangelte es ganz einfach an Menschen im arbeitsfähigen Alter, und diejenigen, die zu arbeiten im Stande gewesen wären, wurden dessen bald überdrüssig. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten wären dabei vermutlich nicht einmal unüberwindlich gewesen, wenn das Schlimmste nicht schon passiert gewesen wäre: Försters Glaube an den wagnerianischen Traum, die Geburt des neuen Deutschland, war in sich zusammengesunken, da sich jene Wertewelt eben nicht einfach in eine neue Umgebung verpflanzen liess. Die "arischen" Werte hatten Schiffbruch erlitten. Eine Rückkehr zur Vergangenheit war nicht mehr möglich.

Sofort nach Bernhard Försters Tod entsandte die paraguayanische Regierung einen Vertreter, P.M. de Corvetto, der den Zustand der Kolonie erkunden sollte, war doch die von der Regierung gesetzte Zeitgrenze bereits überschritten. De Corvetto bemerkte, dass in den verstrichenen zwei Jahren schon sehr viel Arbeit geleistet worden war und dass der Kolonie überlebensmöglichkeiten einzuräumen seien, falls man weitere Investitionen in sie tätige und es gelänge, neue Siedler auf das Gebiet zu locken.(65)

Von Seiten der paraguayanischen Regierung beschloss man daher, eine neue Aktiengesellschaft, die "Sociedad Colonizadora Neu-Germania en el Paraguay" zu gründen, die die von den Siedlern gegründete Gesellschaft aufkaufen sollte. Die neue Gesellschaft wurde mit einem Kapital von 5.000 Pesos, das entspricht etwa 2.000.000 Reichsmark, ausgestattet. Der Vorstand setzte sich vorwiegend aus paraguayanischen Landbesitzern und Bankiers zusammen. Weitere Vorstandsmitglieder waren der Grossgrundbesitzer und Konsul Cr.G. Heisecke, der Bankdirektor E.Weyer (beide deutscher Herkunft), der Grossgrundbesitzer S. Zambolini (Italiener-Paraguayaner), der Bankdirektor E. Johannsen (gebürtiger Däne), ferner der Fabrikbesitzer N. Molinas (spanische Vorfahren), sowie der Grossgrundbesitzer Alfred Busk, ein gebürtiger Engländer.(66)

Elisabeth Förster behagte die neue Aktiengesellschaft nicht, aber einen anderen Ausweg gab es nicht: Die Schuldenlast der Kolonie hatte ein bedrükendes Ausmass angenommen. Am meisten verdross sie, dass im Vorstand der neuen Aktiengesellschaft lediglich drei Deutsche sassen. Mit der Person Försters hatte die Kolonie auch ihren rein deutschen Charakter eingebüsst. Die einzige Chance, das Erbe ihres Mannes zu retten, sah Elisabeth Förster darin, Hilfe aus Deutschland zu organisieren. Sie stellte aus Briefen und anderen Dokumenten das Werk Dr. Bernhard Försters Kolonie Neu-Germania in Paraguay zusammen, wobei sie im Vorwort einen Aufruf an alle ihre treu-deutschen Landsleute verfasste.(67)

Die ersehnte Hilfe aus Deutschland blieb allerdings aus. Eine solche Unterstützung wäre überdies vergeblich gewesen, da trotz des Eingreifens des paraguayanischen Staates ein wirtschaftliches Scheitern nicht mehr abzuwenden war: Neu-Germania endete 1891 im Konkurs. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland beschloss Elisabeth Förster, sich der schriftlichen Hinterlassenschaft ihres verstorbenen Bruders Friedrich Nietzsche zu widmen. Hierbei legte sie eine ähnliche Zielstrebigkeit an den Tag wie Cosima Wagner bei der Wahrung des Nachlasses ihres verstorbenen Gattens.

Offenbar gelang es Elisabeth, das Bild ihres verstorbenen Bruders in ähnlicher Weise zu retuschieren, wie Cosima das Bild ihres Richard retuschierte. Nach 1891 hatte Elisabeth Förster offenbar den Entschluss gefasst, das Neue Deutschland zu vergessen. Südamerika schien kein geeigneter Platz für das wagnerianische Paradies gewesen zu sein.

Das Schicksal der Träume

Der Fall des Bernhard Förster ist nicht nur in das biographische Kuriositetenkabinett zu verweisen. Die Wechselfälle seines Lebens verdienen durchaus eine nähere Untersuchung. Allein schon die Wagnerforschung könnte aus Försters Fall nützliche Aufschlüsse gewinnen. Bernhard Förster war ein hingebungsvoller Wagner-Enthusiast, der das Leben seines Idols genau verfolgte, dessen Schriften mit Passion las und dessen Gedanken zu absorbieren versuchte. Bei der Diskussion um den Wagnerianismus hat man bisher dem Umstand Beachtung viel zu wenig geschenkt, dass man seinerzeit Musik, insbesondere Opernmusik, nur selten zu Gehör bekam, welches seine Begründung im Nicht-Vorhandensein mechanischer Wiedergabegeräte hatte. Das sich-Begeistern für eine Musik, das Entstehen von Bewunderer-Idol-Beziehungen geschah weitaus umständlicher als im Zeitalter der Schallplatte. Gerade was den Fall Wagner anbelangt, so dürfte dessen schriftliche Produktion mit den darin vorgebrachten Gedanken einen ebenso grossen Einfluss ausgeübt haben wie seine Musik.(68) Schriftgut verbreitete sich dazumal schneller als Kompositionen. Während seiner Schaffensperiode schrieb Wagner viel: Aus seiner Feder stammen Artikel, Pamphlete und Bücher, insgesamt 80 Titel. Bereits zu Lebzeiten begann er, seine gesammelten Werke herauszugeben. Aus der Serie Gesammelte Schriften und Dichtungen erschienen neun Bände in den Jahren 1871-1873, der zehnte Band kam 1883 heraus.(69)

Obwohl Förster Aufführungen von Wagners Musik beiwohnte, war sein Wagnerismus klar aussermusikalischer Natur: Offenbar hatten die hinter der Musik liegenden Gedanken einen höheren Stellenwert als blosse "tönend bewegte Formen"(70). Vor dem Aufkommen der Schallplatte war die Idolbeziehung, die "Fanschaft" offenbar mehr von aussermusikalischen Faktoren gekennzeichnet als im 20. Jahrhundert, zumindest dann, wenn sie sich auf Virtuosen bezog. Es verhielt sich nämlich so, dass sich die Idolverehrung im 19. Jahrhundert mehr auf Virtuosen vom Typ eines Franz Liszt' oder eines Niccolo Paganini konzentrierte als auf den Komponisten. Dies mochte seinen Grund darin gehabt haben, dass ein Virtuosenauftritt immer zusätzliche, nicht-musikalische Eindrücke bieten konnte, so z.B. die blosse physische Präsenz des Künstlers. Die Rolle des Komponisten hingegen endete im allgemeinen mit der Ablieferung der Partitur. Wagner war hier in so mancher Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung, war er doch bestrebt, sein ganzes Leben zur Kunstform zu erheben. Zu Beginn des Jahres 1849 schrieb Wagner denn auch an Liszt: "Ich bin in allem was ich thue und sinne nur Künstler, einzig und allein Künstler..."(71)

Bernhard Förster seinerseits geriet so in die Verzauberung Wagners, dass er eine Gemeinschaft gründen wollte, die streng nach den vom Maestro erlassenen Grundsätzen leben sollte. Dieser Traum ging jedoch nicht in Erfüllung. Förster bemerkte, dass er in vielerlei Hinsicht Zugeständnisse und Abstriche machen musste. Förster hatte, seinem Vorbild getreu, eine vegetarische Ernährungsweise begonnen, die für die Siedler Neu-Germanias jedoch nicht akzeptabel war. Bereits ein Jahr nach Gründung zählte der Jahresbericht u.a. zwölf Schweine auf, die zum Verzehr bestimmt gewesen sein dürften.

Förster hatte in seinem Buch Deutsche Colonien die Wiedergeburt der ganzen Menschheit und das Wiedererstehen der deutschen Rasse als heiliges Ziel Neu-Germanias aufgestellt. Das Ziel war somit hochgesteckt. Aufgrund derartiger Träume dürfte Neu-Germania einen Ausnahmeplatz in den grossen Emigrationsbewegungen der Jahrhundertwende eingenommen haben. In bescheidenerem Massstab jedoch zeigte sich ein ähnliches, völkisches Denken auch bei der Kolonie "Uusi Suomi", Neu-Finnland, welche zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Argentinien gegründet wurde. Treibendes Motiv wahr hier die Sorge um das Finnentum, welches man durch die Russifizierungsbestrebungen in dem von Russland beherrschten Finnland gefährdet sah.(72)

Förster begab sich nicht nach Paraguay in der Hoffnung auf ein reicheres Leben - "reicher" zumindest nicht im materiellen Sinne. Ihn zog nicht die Goldsuche, vielmehr - so sah er es selber - hatte er die Pflicht, die Bruchstücke der "arischen" Zivilisation zusammenzutragen und sie in die üppige Landschaft Paraguays zu verpflanzen. Diese hehren Visionen fanden bei den übrigen Bewohnern der Kolonie jedoch nur begrenztes Verständnis.

Förster hatte der sich wandelnden Welt- und Gesellschaftsordnung den Kampf angesagt, sein Trachten galt einer Vergangenheit, zu der allerdings schon alle Brücken abgebrochen waren. Sein Wille, ein neues Deutschland erstehen zu lassen, war interessant, aber bei weitem nicht der einzige Ausdruck von Unzufriedenheit mit der politischen Marschrichtung, die das gerade erst vereinigte Deutschland eingeschlagen hatte. Försters Lehrvater Wagner hatte, wie viele seiner Zeitgenossen in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, den Wunsch ausgedrückt, Deutschland möge zu einer staatlichen Einheit gelangen. Während seiner Zeit als Hofkomponist Ludwigs II., 1864-1865, glaubte Wagner an eine Vereinigung Deutschlands unter bayerischer Führung. Er versuchte sogar Ludwig zu dieser Einigerrolle anzuspornen, indem er ihm den Text Was ist deutsch? zukommen liess. In dieser Schrift zeigte Wagner wiederholt Antipathien gegen Preussen.(73) Später glaubte er zu erkennen können, dass Bayern gar eine entscheidende Rolle beim Deutschen Einigungsprozess zufallen könne. Schon 1866 schrieb er an einen Freund: "...mit Deutschlands Wiedergeburt und Gedeihen steht und fällt das Ideal meiner Kunst: nur in jenem kann diese gedeihen!"(74) Allerdings musste Wagner seine gegen Preussen gerichtete Protesthaltung zur Seite stellen und Kontakte nach Berlin knüpfen, auch wenn die kleindeutsche Lösung ihm noch so missfiel. Er wandte sich sogar wiederholt brieflich an Otto v. Bismarck, allerdings ohne Erfolg, da man in Preussen keinerlei Begeisterung für die Wagnersche Kunst zeigte.(75)

Die Staatsmacht erteilte seiner Kunst erst in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts ihren Segen. Sowohl Wagner als auch seine Jünger waren enttäuscht. Bernhard Förster konstatierte das völlige Fehlen von Einflussmöglichkeiten, die totale Unmöglichkeit, die Gesellschaft in eine wagnerianische Richtung zu bewegen. Daraus zog Förster die seiner Meinung nach einzig vernünftige Konsequenz, nämlich die Schaffung einer besseren Zukunft durch Errichtung eines Refugiums für "alle echten Deutschen". Neu-Germania war somit eine Art alternatives Deutschland, ein Versuch, die Geschichte auf neue Bahnen zu lenken - zurück zu einer Vergangenheit, der Wagner den Namen "die deutsche Herrlichkeit" gegeben hatte.(76)

Noten:

1. Brockhaus Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Zehnte, verbesserte und vermehrte Auflage. Fünfzehnter Band. Zweite Abteilung. Leipzig 1855, S. 21.

2. Brief an Hans von Wolzogen vom 5.7.1879, Richard-Wagner-Gedenkstätte der Stadt Bayreuth Hs 100 b.

3. Dr. Försters Kolonie in Paraguay. Hrsg. von Elisabeth Förster-Nietzsche. Berlin 1891, S. 61 (gemeinsamer Nachruf der Mitglieder der Kolonie).

4. Informationen zu Försters Lebensabschnitten: Bernhard Förster. Eine Schrift zum Andenken und zur Rechtfertigung. Hrsg. von deutschen Freunden. Leipzig 1889, S. 25.

5. Bernhard Förster: Richard Wagner als Begründer eines deutschen Nationalstils mit vergleichenden Blicken auf die Kulturen anderer indogermanischer Nationen, In: Bayreuther Blätter No. 4. 1880, S. 106.

6. Ibid., S. 107.

7. Eigentlich wurde der Text Was ist deutsch? erst 1878 in den Bayreuther Blättern veröffentlicht. Der Text basierte auf Tagebuchaufzeichnungen Richard Wagners vom 14.-27.9.1865, gerichtet an König Ludwig II. Die Version von 1865 war ohne überschrift, den vielsagenden Titel Was ist deutsch? erhielt die Schrift erst im Jahre 1878. Das Ursprungsmanuskript befindet sich im Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth (B II c 11), obwohl der Text zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes dort irrtümlicherweise gerade unter der überschrift Was ist deutsch? geführt wurde. Unter derselben Verzeichnisnummer befindet sich auch eine 1878 geschriebene Einleitung zu dem Artikel. Die letztendlich veröffentliche Version befindet sich ebenfalls in Bayreuth (Richard-Wagner-Gedenkstätte der Stadt Bayreuth, Hs 94/I/22).

8. Richard Wagner, Das Braune Buch. Tagebuchaufzeichnungen 1865 bis 1882. Vorgelegt und kommentiert von Joachim Bergfeld. Zürich 1975, S.86. Unterstreichungen von Wagner selbst durchgeführt.

9. Bernhard Förster, Parsifal-Nachklänge. Allerhand Gedanken über deutsche Cultur, Wissenschaft, Kunst, Gesellschaft. Leipzig 1883, s.V.; Förster, Richard Wagner in seiner nationalen Bedeutung und seiner Wirkung auf das deutsche Kulturleben. Zweite Auflage der "Parsifal-Nachklänge". Leipzig 1886.

10. Vgl. z.B. Förster, Parsifal-Nachklänge, S. 2 oder Bernhard Förster. Eine Schrift zum Andenken und zur Rechtfertigung, S.26.

11. Förster, Parsifal-Nachklänge, S. 10.

12. Ibid., S. 4.

13. Ibid., S. 10.

14. Ibid., S.48-49.

15. Ibid., S. 49.

16. Bruno Nurmi, Richard Wagner. Merkkimiehiä, elämänkertasarja. Toim. Yrjö Hirn ja Kaarle Krohn. ("Bedeutende Persönlichkeiten, Biographische Serie. Bearbeitet von Yrjö Hirn und Kaarle Krohn.") Porvoo 1923, S.28.

17. Förster, Parsifal-Nachklänge, S. 51-52.

18. Ibid., S. 52.

19. Ibid., S. 52-53.

20. Oft hat man versucht, Wagners Antisemitismus einzig mit Hilfe von biographischen Faktoren zu deuten. Viele seiner Gläubiger waren Juden; da Wagner sich in permanenten ökonomischen Schwierigkeiten befand und seine Schulden nicht zurückbezahlen konnte, erging er sich in ständigen Angriffen gegen die Juden. Als er in den 60ern und 70ern des letzten Jahrhunderts begann, Geld für sein Grosses Bayreuther Festspielhaus zu sammeln und deshalb auf jedwede finanzielle Unterstützung angewiesen war, nahm er in der Judenfrage eine zunehmend vorsichtigere Haltung ein.

21. Bernhard Förster, Die Frage der Vivisektion im Deutschen Reichstage. Ein Stück Kulturkampf, In: Bayreuther Blätter No. 3 1882, S. 91.

22. Richard Wagner, Offener Brief an Herrn Ernst von Weber, In: Bayreuther Blätter No. 10 1879, S. 2, 299-310.

23. Richard Nagel, Der wissenschaftliche Unwerth der Vivisektion in allen ihren Arten, In: Bayreuther Blätter No. 2-3 1881.

24. Otto Rabe, Die Thierschutzfrage im Lichte der vegetarischen Weltanschauung, In: Bayreuther Blätter No. 1-2 1882.

25. Siehe Bayreuther Blätter No. 1-2 1882, S.20.

26. Bayreuther Blätter No. 4 1882, S. 127.

27. Förster, Parsifal-Nachklänge, S. 71.

28. Ibid., S. 67.

29. Ibid., S. 64-65.

30. Bernhard Förster, Das Verhältniss des modernen Judenthums zur deutschen Kunst. Berlin 1881, S. 3-4, 56.

31. Ibid., S. 26.

32. Ibid., S. 16.

33. Ibid., S. 54.

34. U.a. Kapellmeister Hermann Levi und Operndirektor Angelo Neumann.

35. Brief an Ottomar Beta vom 18.5.1873, In: Richard Wagner an Freunde und Zeitgenossen. Hrsg. von Erich Kloss. Richard Wagners Briefe in Originalausgaben. Bd. XVII. Leipzig 1912, S. 556-557.

36. Petition in der Judenfrage an Fürst Bismarck, Richard-Wagner-Gedenkstätte der Stadt Bayreuth, Hs 100a.

37. Richard-Wagner-Gedenkstätte der Stadt Bayreuth, Hs 100a.

38. Richard Wagners Briefe an Otto von Bismarck, Nationalarchiv der Richard-WagnerStiftung, I A 13 c und I A 14 a.

39. Otto von Bismarcks Antwort an Wagner vom 21.2.1871, Nationalarchiv der RichardWagner-Stiftung, III A 11-1. Die Datierung des Orginalbriefes weist einen Fehler auf. Als Jahr ist das Jahr 1971 angegeben.

40. Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, III A 11-1.

41. Cosima Wagner, Die Tagebücher. Band I: 1869-1877. Ediert und kommentiert von Martin Gregor-Dellin und Dietrich Mack. München 1976, S. 858.

42. Zit. Curt von Westernhagen, Wagner. Zweite überarbeitete und ergänzte Auflage. Freiburg 1979, S.566. Es besteht keine vollkommene Klarheit darüber, ob der Empfänger wirklich Schirmer ist. Es besteht lediglich eine Entwurf, der auf den 8.9.1875 datiert ist; der Empfänger ist nicht vermerkt.

43. Von Wagners Plänen erfuhr man erstmals erst im Jahre 1931, als ein Redakteur der New York Times ein unveröffentlichtes Manuskript der Memoiren von Dr. Jenkins fand. Vgl. Julian Seaman, Wagner's Proposed Migration to U.S., In: The New York Times, 6. Dec. 1931.

44. Brief an Carl Friedrich Glasenapp vom 26.11.1882, Richard-Wagner-Gedenkstätte der Stadt Bayreuth, Glasenapp-Nachlass, Hs 218A/FXVII/4.

45. Förster, Parsifal-Nachklänge, S. 89-90.

46. Ibid., S. 88.

47. Bernhard Förster, Deutsche Colonien in dem oberen Laplata-Gebiete mit besonderer Berücksichtigung von Paraguay. Ergebnisse eingehender Prüfungen, praktischer Arbeiten und Reisen, 1883-1885. Zweite Auflage. Leipzig 1886, S. 2.

48. Ibid., S. 3.

49. Ibid., S. 7-8.

50. Ibid., S. 11-12.

51. Bernhard Försters Brief an Hans Von Wolzogen, Richard-Wagner-Gedenkstätte der Stadt Bayreuth, Hs 100 b.

52. Bernhard Förster, Denkschrift über die Anlegung deutscher Colonien in dem oberen Laplata-Gebiete (Paraguay, Gran Chaco, Misiones Argentinas). Naumburg a/S, 1885, passim., vgl. auch Förster, Berücksichtigung, S. 209-215.

53. Förster, Berücksichtigungen, S. 221.

54. Ibid., S. 221.

55. Ibid., S. 216.

56. Bernhard Försters Abschiedskarte an Hans von Wolzogen vom 15.2.1886 (Hamburg), Richard-Wagner-Gedenkstätte der Stadt Bayreuth, Hs 100 b.

57. Erster Jahresbericht über die deutsche Ansiedlung Neu-Germania in Paraguay, In: Dr. Bernhard Förster's Kolonie Neu-Germania in Paraguay. Hrsg. von Elisabeth Förster-Nietzsche, Berlin 1891, S. 7.

58. Ibid., S. 3.

59. Ibid., S. 4-6.

60. Ibid., S. 7.

61. Elisabeth Förster-Nietzsche, Ein Sonntag in Neu-Germania, In: Dr. Bernhard Förster's Kolonie Neu-Germania in Paraguay, S. 35.

62. Mitteilungen, März 1889, In: Dr. Bernhard Förster's Kolonie Neu-Germania in Paraguay, S. 54-55.

63. Dr. Bernhard Förster's Kolonie Neu-Germania in Paraguay, S. 61 (Gemeinsamer Nachruf der Mitglieder der Kolonie).

64. Zit. Elisabeth Förster-Nietzsche, Mittheilungen, Juni 1889, In: Dr. Bernhard Förster's Kolonie Neu-Germania in Paraguay, S. 64.

65. Oscar Erck, Mittheilungen, August 1890, In: Dr. Bernhard Förster's Kolonie Neu-Germania in Paraguay, S. 87-88.

66. Die neue Aktiengesellschaft, August 1890, In: Dr. Bernhard Förster's Kolonie Neu-Germania in Paraguay, S. 90.

67. Elisabeth Förster-Nietzsche, Vorwort, In: Dr. Bernhard Förster's Kolonie Neu-Germania in Paraguay. Die Seiten des Vorwortes sind nicht nummeriert.

68. Diesen Gedanken stützt die Tatsache, dass Wagner seiner schriftstellerischen Betätigung eine hohe Bedeutung beimass. Er schrieb kontinuierlich nebenbei und förderte so gleichzeitig das Verständnis seiner Musik. Die Geschichte der Rezeption der Wagnerschen Werke ist recht eigentlich noch ungeschrieben. Laut Carl Dalhaus liegt der entscheidende Wendepunkt im Jahre 1868, als die Oper Die Meistersinger von Nürnberg ungeteilten Anklang beim Publikum fand. Siehe weiter bei Carl Dahlhaus, Richard Wagners Music Dramas. Translated by Mary Whittall. Cambridge 1979, S. 3-4. Folgerichtig konstatierte William Weber, dass anfangs schriftliche Werke eine grössere Bedeutung bei der Verbreitung von Wagners Werk hatten als die Musik. Siehe William Weber, Wagner, Wagnerism, and Musical Idealism, In: Wagnerism in European Culture and Politics. Edited by David C. Large and William Weber in collaboration with Anne Dzamba Sessa. New York 1984, S. 40.

69. Gesammelte Schriften und Dichtungen. Hrsg. von Richard Wagner, 9 Bände. Leipzig 1871-1873; Gesammelte Schriften und Dichtungen. Band 10. Hrsg. von Cosima Wagner. Leipzig 1883.

70. Eduard Hanslick, Vom Musikalisch-Schönen. Ein Beitrag zur Revision der åsthetik der Tonkunst. Sechzehnte Auflage. Wiesbaden 1966, S. 59.

71. Brief an Franz Liszt 14.10.1849, Richard Wagner, Sämtliche Briefe. Band III: Briefe der Jahre 1849-1851. Herausgegeben im Auftrage des Richard-Wagner-Familien-Archivs Bayreuth von Gertrud Strobel und Werner Wolf. Leipzig 1975, S. 135.

72. Vgl. Olavi Lähteenmäki, Colonia Finlandesa. Uuden Suomen perustaminen Argentiinaan 1900-luvun alussa. Toim. Reino Kero. Summary: The Founding of "New Finland" in Argentina at the Beginning of the 20th Century. Societas Historica Finlandiae, Historiallisia tutkimuksia 154. Helsinki 1989, S. 21-37, 269-274.

73. Siehe Note Nr. 7. Als der von Wagner 1865 in Tagebuchform erschienene Text im Jahre 1878 veröffentlicht wurde, entfernte Wagner zuvor alle anti-preussischen Schmähungen.

74. Brief an Julius Fröbel vom 11.4.1866, Richard Wagner an Freunde und Zeitgenossen. Hrsg. von Erich Kloss. Richard Wagners Briefe in Originalausgaben. Bd. XVII. Leipzig 1912, S. 461.

75. Weiteres bei Hannu Salmi: "Die Herrlichkeit des deutschen Namens..." Die schriftstellerische und politische Tätigkeit Richard Wagners als Gestalter nationaler Identität während der staatlichen Vereinigung Deutschlands. Annales Universitatis Turkuensis, Ser. B Tom. 196. Turku 1993, S. 235-249.

76. Siehe u.a. Wagners Tagebuchaufzeichnungen an Ludwig II., 14.-27.9.1865, Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth, B II c 11.