Quotations on Wagner

Es lässt sich die Behauptung aufstellen, dass Wagner, sozusagen
ohne grosseres eigenes Dazutun, gezwungen durch den Geist der
historischen Situation, in den Strudel der revolutionären Ereig-
nisse gezogen wurde. Seine Anschauungen waren zwar revolu-
tionärer Natur, blieben aber auf den künstlerischen Bereich,
d.h. hier vor allem auf das Musikalische, beschränkt. Politisch
jedoch hat sich Wagner immer im Abseits gehalten.

Bruno Nurmi: Richard Wagner. Merkkimiehiä, elämäker-
tasarja. Toim. Yrjö Hirn ja Kaarle Krohn. Porvoo 1923,
p. 28. (quotation translated from the Finnish)

He was the first to use music as a means of influensing, of
entrancing, of intoxicating, of conquering. To be sure, all
musicians direct their attention to the 'world' - to connois-
seurs, to a community great or small, to the nation. Even before
Wagner a few composers had felt impelled to create a community
for themselves because there was none at hand. Handel did so in
his oratorios; Beethoven, in his symphonies. So far as Wagner
concerned, however, Handel scarcely existed [...] But in Beet-
hoven Wagner saw his true predecessor - or, more precisely, in
the Beethoven of the Ninth Symphony, with which the reign of
pure instrumental music seemed to have come to an end and that
of opera, of his opera, to have begun.

Alfred Einstein: Music in the Romantic Era. A History
of Musical Thought in the 19th Century. New York 1947,
pp. 227-228.

Als Wagner nicht nachliess und durchaus darauf bestand, die
Demokraten an der Donau kennen zu lernen, führte ich ihn eines
Abends in das Hotel 'zum römischen Kaiser' in der Renngasse, wo
der 'Demokratische Verein' eine Sitzung hielt. Wir nahmen Platz.
Der Präsident stellte sich als Vorstand an den beherrschenden
Tisch und begann eine konfuse Rede. Als er den Satz recht
vernehmlich sprach: 'Der Republik ist das beste Staatsform!' sah
ich Wagner an, er lächelte traurig, ich sprach: 'Haben Sie
genug?', er antwortete 'Ja!' und wir gingen [...] Fortan wurde
zwischen Wagner und mir Politik kaum berührt...

Friedrich Uhl: "Erinnerungen an Wagner", Fremden-Blatt
Nr. 335, 6.12.1891.

Tags darauf, es war im März 1864, besuchte mich
Herr von Pfistermeister, Kabinettsekretär aus München [...]
"Denken Sie", rief er, nachdem wir uns begrüsst hatten, "ich
komme im Auftrage des Königs, um ihm Richard Wagner zu bringen;
der Mann ist aber fort, und Niemand weiss wohin!" - "Da kann ich
dienen. Wagner ist nach Zürich gereist. Wenn Sie sich in der von
Semper gebauten Villa Wesendonk vorstellen, werden Sie sofort
erfahren, in welchem Hôtel Wagner wohnt." Herr v. Pfistermeister
dankte, verliess mich bald und fuhr noch Abends nach Zürich.

Friedrich Uhl: "Erinnerungen", Fremden-Blatt
Nr. 335, 6.12.1891. (An den Zeitpunkt von Pfistermeisters Besuch erinnert
sich Uhl falsch: Pfistermeister kam nicht im März sondern im
April.)

Another error is the notion that he [Ludwig II]
allowed his devotion to Wagner to influence the practical res-
ponsibilities of his office [...] On matters concerning artistic
ideals, he and Wagner were of one accord, but at no time did
Wagner's political views sway him, except perhaps when Wagner
exhorted him to have courage or, in friendly wise, urged him not
to lose faith in himself.

WATSON, Derek: Richard Wagner. New York 1979, p. 198.

Wie hier über den jungen König räsoniert wird, das
überzeugt alle Begriffe. Im Volke heissen sie ihn nur mehr den
Wagnergesellen.


Privatschreiben des Grafen Blome an den Grafen
Mensdorff 20.5.1866, in: Quellen zur deutschen Politik Öster-
reichs 1859-1866. Unter Mitwirkung von Oskar Schmid herausgege-
ben von Heinrich Ritter von Srbik. Bd. V, 2. Halbband: 1. Mai
1866 bis August 1866. Deutsche Geschichtsquellen des 19. Jahr-
hunderts. Herausgegeben durch die Historische Kommission bei der
Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 33. [2.] Berlin
1938, p. 725.

Seit es einen Deutschen Bund gibt, hat die königl.,
bayerische Regierung sich jederzeit als entschiedene Anhängerin
einer gesamtdeutschen Politik bewährt, einer Politik, deren
erste Voraussetzung in dem Zusammenwirken der beiden mächtigsten
Mitglieder des Bundes besteht. So aufrichtig wie wir selbst
hängt der Münchener Hof an dem Gedanken, dass der Deutsche Bund,
Österreich und Preussen an der Spitze, eine eng verbundene Ge-
samtmacht bilden solle, und Freih. v. der Pfordten persönlich
ist stets ein energischer Vertreter dieses für jeden deutschen
Patrioten fundamentalen Gedankens gewesen.


Erlass an den Grafen Blome in München 2.1.1865, in:
Quellen zur deutschen Politik Österreichs 1859-1866. Unter
Mitwirkung von Oskar Schmid herausgegeben von Heinrich Ritter
von Srbik. Bd. IV: März 1864 bis August 1865. Deutsche Ge-
schichtsquellen des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben durch die
Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissen-
schaften, Bd. 32. Berlin 1937, p. 495.

In der Höhe des Sommers war Wille nach Luzern
gereist, wo Wagner sich zeitweilig aufhielt und Semper ihm den
Grundriss zum projektierten Theaterbau vorlegte. Er traf die
Herren beisammen, als er Wagner zu bewegen suchte, durch seinen
Einfluss auf den König von Bayern diesen dahin zu bringen, dass er
neutral bleibe und seine Vermittlung zwischen Österreich und
Preussen anbiete. Wagner, damals voll Widerwillen gegen Bismarck
und Preussen, weigerte sich und sagte, er habe in politischen
Dingen gar keinen Einfluss auf den König, der "wenn er (Wagner)
von dergleichen anfange, in die Höhe blicke und pfeife"!

Wille, Eliza: Erinnerungen an Richard Wagner. Mit
15 Briefe Richard Wagners. Vierte Ausgabe. Zürich 1982, p.
95.

The Prussian diplomats were quite well aware of the
enormous influence of Richard Wagner on the young and unstable
king, who idolized him: they knew how to use him to attain their
ends. There was no need to exert much pressure on Wagner to get
him to accomplish the task that the Prussians expected of
him.

Franz Liszt's words according to Cornelien Abranyi,
cit. PAILLARD, Bertita, HARASZTI, Emile: Franz Liszt and Richard
Wagner in the Franco-German War of 1870, in: The Musical Quar-
terly 35, 1949, p. 387.

Nachdem sich Wagner vorgestern bei mir angemeldet,
nachher aber wieder entschuldigt hatte, da er krank geworden
war, schrieb ich ihm heute, um ihn abends zu mir zu bitten. Er
kam um ½7. Anfangs war er etwas befangen, sprach von allgemeinen
Dingen und entschuldigte sich, dass er überhaupt eigentlich kein
Recht habe, zu mir zu kommen. Ich setzte ihn in eine behagliche-
re Stimmung, indem ich ihm sagte, wir hätten zwei Vereinigungs-
punkte, wir seien von derselben Partei gehasst und einig in
gleicher Verehrung für den König. Darauf wurde er mitteilender,
sprach von der Art, wie man den König behandelt und gequält
habe, so dass er zweimal ihm geschrieben habe, er würde abdanken,
erzählte unter Beteuerungen, dass er sich damit nicht rühmen
wolle, dass er mich dem König als Minister empfohlen habe; dann
kam er auf die Aufgabe Bayerns als ein deutscher Staat, dessen
Bevölkerung die Gewandtheit der Franken mit der Phantasie der
Schwaben und der Naturkraft der Bayern vereinige, dass der König
ganz der Mann sei, diesen deutschen Staat zu regieren und das
Ideal des Deutschtums zu verwirklichen, kam dann auf seine
Kunstrichtung zu sprechen, auf seine hiesigen Erfahrungen, auf
seine Pläne mit der Einrichtung einer Kunstschule, auf die
Hindernisse, die ihm in den Weg gelegt worden seien, und endlich
auf das Kabinett. Dazwischen sprach er von der Notwendigkeit,
dass ich im Ministerium bleibe. Worauf ich ihm erwiderte, dass
dies nicht von mir abhinge. Ich könne nicht dafür einstehen, dass
man nicht das Vertrauen des Königs in mich untergrabe, und sei
dessen um so weniger sicher, als der König nach der Tradition
des Königlichen Hauses nicht direkt, sondern nur durch das
Kabinett mit mir verkehre. Er sagte nun, dass dies nicht so
bleiben könne, worauf ich ihn darauf aufmerksam machte, dass es
sehr gefährlich sei, sich mit dem Kabinett in einen Kampf einzu-
lassen, er wisse das am besten. Mein politisches Programm er-
wähnte er, worauf ich auf einige Einzelheiten noch einging.

Schliesslich sprach er noch die Hoffnung aus, dass der König
nie das Vertrauen in mich verlieren würde.

Hohenlohe-Schilligsfürst, Chlowdig zu: Denkwürdig-
keiten. Im Auftrag des Prinzen Alexander zu hohenlohe-Schilligs-
fürst hrsg. von Friedrich Curtius. Erster Band. Stuttgart 1906, p. 211.

Richard Wagner ist nun einmal jetzt der einzige,
lebende deutsche Tondichter, dessen Bühnenwerke, trotz aller
ästhetischen Proteste und persönlichen Angriffe, trotz aller
Broschüren und Zeitungsartikel, sich immer mehr Terrain erobern
und dieses Terrain auch zu behaupten wissen - weil ihr Schöpfer
eben ein Genie ist, dessen Berechtigung man nicht leugnen,
dessen eminente künstlerische Potenz und Consequenz man anerken-
nen muss, gleichviel, ob mit Widerstreben oder mit Sympathie.

"Das musikalische Jahr 1869. Ein Rückblick", Signale 13/1870
(23. Februar 1870), 193.

Der Ausgangspunkt für den Wagner-Cultus in Berlin
ist in den Salons des Hausministers v. Schleinitz, dessen junge,
schöne und etwas excentrische Frau, eine geborene v. Buch, für
Wagner schwärmt und einige Journalisten untergeordneten Ranges
zu Organen dieser Schwärmerei gewonnen hat. Eine verhältnissmäs-
sig kleine Gemeinde mit dem Appendix aller derjenigen, die
nirgends fehlen dürfen, wo etwas vorgeht, bildet den 'grossen
Kreis der Verehrer des Meisters', während Künstler von Namen bei
allen bisherigen Ovationen durch ihre Abwesenheit glänzten.
Möglich, dass Frau v. Schleinitz ihren Protégé zum General-Mu-
sikdirector befördert zu sehen wünschte; doch ist daran nicht zu
denken. Gleichwohl ist die Furcht davor so gross, dass in Ber-
liner Correspondenzen auswärtiger Blätter Herr Wagner davor
gewarnt wird, in Berlin politische Intriguen zu spinnen.

Allgemeine Musikalische Zeitung 17.5.1871.

Sie [Wagner und Bismarck] sind Arbeiter am einem
und demselben grossen Werke. Bismarck und Wagner, obwohl an den
entgegengesetzten Enden unseres nationalen Arbeitsfeldes ihre
Aufgaben suchend und lösend, hatten doch beide dasselbe Ziel:
die Vertheidigung des deutschen Wesens gegen das Ausland. Beide
schliessen, jeder auf seinem Gebiete, den Zustand eines mehr-
hundertjährigen Eingreifens fremder Mächte kräftig ab und machen
den Deutschen zum Herrn seines Bodens und seiner Fähigkeiten.
Auch gehen die Thätigkeiten des Künstlers und die des Staatsman-
nes nicht blos äusserlich neben einander her, sondern bedingen
und fordern sich gegenseitig. Ein Volk, das eine eigene Kunst
haben will, bedarf dazu des starken Unterbaues der nationalen
Selbstständigkeit.

Wirth, Moritz: Bismarck, Wagner, Rodbertus, drei
deutsche Meister. Betrachtungen über ihr Wirken und die Zukunft
ihrer Werke. Leipzig 1883, p. 152.

Ich kehre heim und R. fährt zum Fürsten [Bismarck], wo er
eingeladen ist. Er kommt höchst befriedigt zurück, eine grosse
einfache Natur hat sich ihm dargestellt. Wie R. ihm seine Vereh-
rung bezeigt, sagt Bismarck: "das einzige, was ein Verdienst ge-
nannt werden kann, ist dass ich ab und zu eine unterschrift
erlangt habe." Und dann: "ich habe nur in der Krone das Loch
ausfindig gemacht durch welches der Rauch durch kann." R. ist
ganz entzückt von der ächten Liebeswürdigkeit dieses Naturells,
keine Spur von Reticenz, eine leichte Sprache, die herzlichste
Mitteilsamkeit, alles Vertrauen und Symphatie einflüssend. Aber
sagt R., wir können uns nur gegenseitig beobachten, jeder in
seiner Sphäre, mit ihm etwas zu thun haben, ihn für mich zu
gewinnen, meine Sache zu unterstützen ihn zu bitten, käme mir
nicht bei. Aber diese Begegnung bleibt mir von höchstem Wert.

Die Tagebuchaufzeichnung Cosima Wagners 3.5.1871,
in: Wagner, Cosima: Die Tagebücher. Band I: 1869-1877. Ediert
und kommentiert von Martin Gregor-Dellin und Dietrich Mack.
München 1976, S. 384.

Ein Petitium (Geld für Bayreuth) hatte er nicht
vorgebracht. Man setzte uns zusammen auf ein Sofa, und da dachte
er wohl, dass sich zwischen uns ein Duett entspinnen würde, aber
es kam anders. Der Meister der Töne erntete wohl von mir nicht
genug Elogen, er kam nicht zur Entfaltung und ging enttä-
uscht.

Otto von Bismarck, quoted in:
Poschinger, Heinrich von: Gespräche mit und über
Bismarck. Band I. Berlin 1919, p. 264-268.

Ich selbst war einmal (Dezember 1877) Zeuge, wie
eine der bittersten Beschwerden, die Wagner gegen Bismarck auf
dem Herzen hatte, die nämlich, dass dieser der Grosszüchtung des
Judenthums im deutschen Volksleibe, zum Mindesten gesagt, nicht
gewehrt habe, sich in elementarer Weise aus seinem Inneren
hervorrang. Seine Klagen über das unsägliche Elend, das die
Juden über unser Volk gebracht, gipfelten in der Schilderung des
Schicksals des deutschen Bauern, der bald keine Scholle eigenen
Bodens mehr besitzen werde, um sein Frühstück darauf zu verzeh-
ren. 'Und das alles geschieht unter den Augen des Germanen
Bismarcks!
'

Schemann, Ludwig: Meine Erinnerungen an Richard
Wagner. Stuttgart 1902, p. 46.

Wagner ist ganz im rechten Zeitpunkte geboren, im
Jahre der Schlacht bei Leipzig, deren Donner um seine Wiege
tobten. Er ist dann, da wir Alle noch im Frieden lebten, frühe
zum Kampf erwacht und hat allein stehend, mit einem schicksal-
vollen Leben ringend, der deutschen Sache den Sieg erfochten.
Mit gewaltigem Geiste hat er alle monumentale Kraft der Zeit in
sein Schaffen zusammengedrängt...

Peter Cornelius: "Deutsche Kunst und Richard Wagner - I", Deutsche Zeitung 29.12.1871.

Aus traurigem Verfall erstand das deutsche Kaiser-
reich, und unter dem Donner der Schlachten, in welchen Deut-
schlands begeisterte Jugend siegte, wurden die edelsten Bestre-
bungen langer Jahrzehnte zur That.

Heute, wo die Leitung des vollbrachten Werkes in den Händen
eines gewaltigen Mannes ruht, wo der glühende Wunsch nach na-
tionaler Einheit befriedigt ist, widmet der deutsche Student mit
um so froherer Zuversicht seine Theilnahme den nationalen und
idealen Geistesbestrebungen. Auf eine solche geistige Arena
rufen daher die Unterzeichneten alle ihre Commilitonen.

Wie in Hellas mit der grüssten staatlichen Blüthe die der
Kunst Hand in Hand ging, so soll auch neben der Auferstehung des
deutschen Reiches dem deutschen Geiste durch ein gewaltiges
Kunstwerk ein ewiges Denkmal gesetzt werden. Zum zweiten Male
triumphirte in diesen Tagen der welthistorische Beruf des Germa-
nen auf politischem Gebiete - der geistige Sieg soll durch die
deutschen Festepiele in Bayreuth gefeiert werden.

Richard Wagner, der grosse Dichter-Componist, dessen unbeirr-
tes reformatorisches Wirken auf dem Gebiete der Kunst mit Bis-
marck's politischer Thätigkeit verglichen werden kann - Richard
Wagner, der Sänger deutscher Grösse, weihte das Werk seines
Lebens dem Vaterlande. Das Volk soll eine würdige Aufführung
ermöglichen.

"Deutsche Festspiele in Bayreuth. Aufruf des Acade-
mischen Wagner-Vereins zu Berlin" (I. Redaction: April 1872),
Musikalisches Wochenblatt 26.4.1872.

Richard Wagner hat sich schon selbst ein Denkmal
errichtet: es steht in Bayreuth. Dieses Festtheater in seinem
Geiste fortzuführen, durch pietätvollste Aufführung von des
Meisters Werken, muss unser nächstes Ziel sein.

Pohl, Richard: Richard Wagner. Sammlung Musikali-
scher Vorträge hrsg. von Paul Graf Waldersee. Fünfte Reihe. Nr.
53/54. Leipzig 1884, p. 196.

Wagner bezeichnet sein Werk als ein nationales und
gewiss nicht mit Unrecht, welche Meinungsverschiedenheiten sich
auch über dasselbe hinsichtlich der Art und Weise der dichte-
rischen wie musikalischen Behandlung des Stoffs geltend machen
mögen. Auf jeden Fall gibt diesem grossartig angelegten Bühnen-
werk schon der Umstand, dass demselben unsere deutsche Ursage
ihren Hauptzügen nach zu Grunde liegt, eine höhere, allgemeine
Bedeutung, wie dies auch der glänzende Erfolg, den dasselbe bei
seiner theilweise geschehenen Aufführung in anderen Städten,
z.B. in Leipzig (im Mai 1878), hatte, bewies.

Meyer's Konversations-Lexikon. Dritte, gänzlich
umgearbeitete Auflage. Fünfzehnter Band. Leipzig und Wien 1878,
p. 539.

...doch bin ich der Meinung, dass wir heutzutage
alle an der Sucht nach Dokumenten leiden, und dass man einen gro-
ssen Mann aus seinen Werken und eher wenigen Zeugnissen - je
weniger, desto besser - muss beurteilen können.

H.S.Chamberlain an Cosima Wagner 13.1.1905, Cosima
Wagner und Houston Stewart Chamberlain im Briefwechsel 1888-
1908. Hrsg. von Paul Pretzsch. Zweite Auflage. Leipzig 1934, pp. 680-682.

Man kennt den Verfasser als einen der werkthätigen
Anhänger und Bewunderer des Meisters von Bayreuth. Trotzdem
wird sein ungemein interessantes Buch die Wagnerianer ver-
driessen
, weil es Thatsachen enthält, die wieder einmal ein
unerfreuliches Licht auf Wagner's Charakter werfen...

Neue Freie Presse 8.9.1898.

Freilich trägt Wagner als Mensch ein gutes Theil
Schuld an dieser (früheren) mass- und sinnlosen Opposition. Er
war als Charakter nicht ohne Fehl, ein rücksichtsloser Draufgän-
ger, ein ungezügelter Sinnenmensch und ein gigantischer Egoist,
der fast alle seine Freunde ausbeutete und im Glück verleugnete.
Hart und ungerecht gegen seine Feinde, war er im vertrauten
Verkehr zwar weich und überschwenglich, aber auch undankbar,
unverträglich und arrogant [...] Auch der Kapellmeister und
Komponist Wendelin Weissheimer, einer seiner Intimsten, gehört
unter diese Schar der enttäuschten und verrathenen Freunde Wag-
ners...

Die Gegenwart 9.7.1898.

Warum, so fragen wir, hat Mr. Chamberlain, der
streitbare Bischof der Wagner-Gemeinde, das Buch nicht einstamp-
fen lassen, wie Ferdinand Praeger's 'Wagner, wie ich ihn kann-
te'? Das war ja die einfachste, handlichste Methode, einen
Bericht aus der Welt zu schaffen, der Ungünstiges, angeblich
Irriges über Wagner enthielt. Die literarisch korrekteste,
nobelste Art der Widerlegung ist das freilich kaum. Nicht einmal
die vortheilhafteste. Das Wagner-Syndikat hätte doch besser
gethan, alle Unrichtigkeiten in Praeger's Buch standhaft zu
widerlegen und das Endurtheil dem Publikum zu überlassen.

Neue Freie Presse 8.9.1898.


I have also made a list of sources for contemporary views on Wagner.


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