Wagner Letters

Eines steht über allem: die Freiheit! Was ist aber 'Freiheit'?
Etwa - wie unsre Politiker glauben - 'Willkür?' - Gewiss nicht!
Die Freiheit ist: Wahrhaftigkeit. Wer wahrhaft, d.h. ganz seinem
Wesen gemäss, vollkommen im Einklang mit seiner Natur ist, der
ist frei.

Richard Wagner in seinen Briefen. Hrsg. von Erich
Kloss. Bücher der Weisheit und Schönheit. Herausgeber
Jeannot Emil Freiherr von Grotthuss. Stuttgart 1908, p.
35.

Remarques que tout ce que j'ai écrit au sujet de l'esprit francais,
je l'ai écrit en allemand, exclusivement pour les Allemands: il
est donc clair que je n'ai pas eu l'intention d'offenser ou de
provoquer les Francais, mais simplement de detourner mes compatriotes
de l'imitation de la France, de les inviter à rester fidèles à
leur propre génie, s'ils veulent faire quelque chose de bon.

Wagner an Gabriel Monod 25.10.1876, Revue politique et
littéraire 7/1883 (17. Février 1883).

Die musikalisch schaffende kraft dünkt mich wie eine glocke, die
- je unfangreicher sie ist - ihren vollen ton erst von sich
giebt, wenn sie durch die gehörige kraft in vollen schwung
gesetzt ist: diese kraft ist eine innerliche, und wo sie nicht
als innerliche vorhanden, da ist sie gar nicht vorhanden: das
rein innerliche wirkt aber nicht eher, als bis es durch ein
verwandtes und doch unterschiedenes von aussen her erregt wird.
Die musikalisch schöpferische kraft bedarf dieser anregung
wahrlich nicht minder als jede andere künstlerische: grosse kraft
wirkt aber nur durch grosse anregung...

Wagner, Richard: Sämtliche Briefe. Band III: Briefe der
Jahre 1849-1851. Herausgegeben im Auftrage des
Richard-Wagner-Familien-Archivs Bayreuth von Gertrud
Strobel und Werner Wolf. Leipzig 1975, p. 134.

An eine Aufführung kann ich erst nach der Revolution denken;
erst die Revolution kann mir die Künstler und die Zuhörer zuführen.
Die nächste Revolution muss nothwendig unsrer ganzen Theaterwissenschaft
das Ende bringen: sie müssen und werden alle zusammenbrechen,
dies ist unausbleiblich. Aus den Trümmern rufe ich mir dann
zusammen, was ich brauche: ich werde, was ich bedarf, dann
finden. Am Rheine schlage ich dann ein Theater auf, und lade zu
einem grossen dramatischen feste ein: nach einem Jahre Vorbereitung
führe ich dann im Laufe von vier Tagen mein ganzes Werk auf: mit
ihm gebe ich den Menschen der Revolution dann die Bedeutung
dieser Revolution, nach ihrem edelsten Sinne, zu erkennen.
Dieses Publikum wird mich verstehen: das jetzige kann es nicht.

Wagner an Theodor Uhlig 12.11.1851, Wagner, Richard:
Briefe 1830-1883. Hrsg. von Werner Otto. Berlin 1986,
p. 108.


Mir ist es längst zur überzeugung gekommen: mit Deutschland
steht oder fällt mein Kunstideal. Nur das Deutschland, das wir lieben
und wollen, kann mein Ideal verwirklichen helfen.

Wagner an Karl Graf von Enzenberg 15.6.1866,
Wagner, Richard: Richard Wagner an Freunde und Zeitgenossen.
Hrsg. von Erich Kloss. Richard Wagners Briefe in Originalausgaben.
Bd. XVII. Leipzig 1912, S. 462.

Theurer huldvoller König!

Diese Thränen himmlischester Rührung sende ich Ihnen, um Ihnen
zu sagen, dass nun die Wunder der Poesie wie eine göttliche
Wirklichkeit in mein armes, liebebedürftiges Leben getreten
sind! - Und dieses Leben, sein letztes Dichten und Tönen gehört
nun Ihnen, mein gnadenreicher junger König: verfügen Sie darüber
als über Ihn Eigenthum!

Im höchsten Entzücken, treu und wahr

Ihr Unterthan
Richard Wagner

Wagner an Ludwig II. 3.5.1864, König Ludwig II. und
Richard Wagner. Briefwechsel. Mit vielen anderen Urkunden in
vier Bänden herausgegeben vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds und
von Winifred Wagner. Bearbeitet von Otto Strobel. Erster Band.
Karlsruhe 1936, S. 11.

1864 Sommer (während der Hoftrauer) "Scenen aus den Nibelungen"
am Clavier mit H. von Bülow. Spätherbst. "Grosse Musikaufführung meiner Fragmente".
1865 Frühjahr. Tristan und Isolde (mit Schnorr u. Tietjens).
Anfang Winter. Meistersinger.
1866 Tannhäuser (neu) Lohengin (vollständig) mit Schnorr etc.
1867-68 Grosse Aufführung des gesammten "Ring des Nibelungen".
1869-70 "Die Sieger".
1871-72 "Parzifal!".
1873 Letzter schöner Tod und Erlösung des Votanten.

Also, sage ich ihnen, Allen und Jeden, Hohen und Niedern, mit mir wäre nichts mehr, - ich wäre fertig! -

Wagner an Hans von Bülow 1.6.1864, Wagner, Richard: Briefe 1830-1883.
Hrsg. von Werner Otto. Berlin 1986, S. 266.

Sieh! die Jesuiten, die nun einmal meine unbezwingliche Macht über
den König erfuhren, haben mir die Wege zu Allem was ich nur begehrte
so eben gelegt, dass ich eigentlich einen Verrath an meinem Kunstideal
begangen habe, nicht irgend wie mich gefügig zu stellen. Der Fürst Taxis
bot mir durch zwei Agenten, die er mir während des ersten Cabinetskampfes
vorigen Winter von Brüssel u. Regensburg in's Haus schickte, auf ganz
sonderbare Weise - durch unzubezahlende Actien auf ein grosses Geldunternehmen
- Capitale an; im Wetteifer gegen ihn, der an Pfistermeister's Nachfolger
dachte, bot dieser dann Kunstschule, Sempersches Theater, Hausverkauf, Allen
Credit, den ich nur wollte: nur etwas bestimmte Erklärung, ob ich gehörig
zur Reaction mithelfen wollte. Jetzt - in der zwölften Stunde - musste Lutz
in Hohenschwangau mit der offenen Bitte an mich herausrücken, ihre genau
mir bezeichneten Reactionpläne "aus Liebe zum König, dessen erhöhte Machtstellung
es ja gelte" zu unterstützen. - Nun musst Du dagegen meine ganz natürliche
Gleichgültigkeit, ja Verachtung vor unsren Liberalen u. Demokraten kennen:
ich brauch' nur mit einem solchen mich berühren, so weiss ich bis in meine
Fusszehe, dass ich nichts mit ihnen zu thun habe. Wie leicht wäre es mir
gewesen, um Ruhe und grosser Vortheile, "ja ja - schön!" zu sagen! Dass ich
das nicht sagte, und dafür dem König einzig zu ehrlichen Leuten rieth,
mussten die Menschen offenbar für verkappte demokratische Wühlrei halten,
denn sie konnten sich nicht entschliessen, mich einfach für dumm anzusehen.

Wagner an August Röckel 16.12.1865, König Ludwig II. und Richard Wagner.
Briefwechsel. Mit vielen anderen Urkunden in vier Bänden herausgegeben
vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds und von Winifred Wagner. Bearbeitet von
Otto Strobel. Vierter Band: Ergänzende Urkunden. Karlsruhe 1936, S. 116-118.

Ich bin der Meinung, dass unser constitutionelles Staatswesen etwas Ungesundes
und Unfruchtbares ist, und auf die Dauer manche Veränderung erfahren wird.
Ich bin durch und durch königlich. Nur der König kann wollen und wirken:
nur die deutschen Fürsten können Deutschland retten. Aber, es handelt sich
hier - wie ich glaube - meistens um redliche, rechtschaffene Männer: und diese
brauchen Sie.

Wagner an Ludwig 8.1.1866, König Ludwig II. und Richard Wagner. Briefwechsel.
Mit vielen anderen Urkunden in vier Bänden herausgegeben vom
Wittelsbacher Ausgleichsfonds und von Winifred Wagner. Bearbeitet
von Otto Strobel. Erster Band. Karlsruhe 1936, S. 281.

...wie nun, um dem Unheil des frechen Sünders, dem der gallische grosse
Intrigant die Karten legt, vorzubeugen und die Nation zu retten, nicht
etwa die Fürsten dieser Nation, diese natürlichen, zunächst betroffenen
Schirmherrn des Volkes, zusammentreten, sich berathen, schnell sich einigen
und sofort zu fürstlichen Thaten schreiten, sondern die Diplomaten,
"deutsche Diplomaten" (welch ein Unsinn!) sich zusammenhocken, sie,
die gar nicht mehr wissen, was Ehrlich- und Falsch-Spielen ist, und denen
es eben nur auf das Spielen ankommt, vondem sie ihren Herren versichern,
es sei entsetzlich schwer, und man müsse sehr pfiffig dafür dressirt sein,
wenn man, gleichviel ob auf Gewinn oder Verlust, nur mitspielen dürfte!
Ich sehe das Halbe, das Scheinbare, das Unzureichende noch im besten Falle
für das Rechte und Ganze eintreten, sehe in Folge dessen die grenzenlose
Verwirrung eintreten, die endlich kein Fürst mehr wird schlichten können,
sondern zu welcher das Chaos der Masse, der brutalen, hilfsbedürftigen
Masse hinzutritt; und sehe dann - auf ewig - mein "Deutschland" untergegangen!


Wagner an Ludwig 29.4.1866, König Ludwig II. und Richard Wagner. Briefwechsel.
Mit vielen anderen Urkunden in vier Bänden herausgegeben vom
Wittelsbacher Ausgleichsfonds und von Winifred Wagner. Bearbeitet
von Otto Strobel. Zweiter Band. Karlsruhe 1936, S. 26. Der "gallische
grosse Intrigant" war Napoleon III., der Kaiser Frankreichs.

Freund! Willst und musst Du noch Politik treiben, so - halte Dich
an Bismarck und Preussen. Hilf Gott, ich weiss nichts andres.


Wagner an August Röckel 23.6.1866, König Ludwig II. und Richard Wagner. Briefwechsel. Mit vielen anderen Urkunden in vier Bänden herausgegeben vom Wittelsbacher
Ausgleichsfonds und von Winifred Wagner. Bearbeitet von Otto Strobel.
Vierter Band: Ergänzende Urkunden. Karlsruhe 1936, S. 154.

Auf den jungen König von Bayern ist erst nur noch durch Begeisterung
zu wirken: wie Ihrer beredtesten Empfehlung es möglich werden sollte,
ihn für die Politik des Herrn v. Bismarck zu begeistern, bleibt mir
unverständlich [...] Ich kann und will unter keinen Umständen dem jungen
König von Bayern zu einer Teilnahme an jener Politik geraten wissen, und
wollte ich es, so würde der Rat in jeder Form zurückgewiesen werden,
selbst wenn er von einem Manne käme, der mir redliche Freundschaft bewährt
und auf das Ernsteste mich verpflichtet hat. Für alle Fälle vergessen Sie
aber auch nicht, dass die Umgebung meines jungen Freundes gegenwärtig
noch in der Art zusammengesetzt ist, dass ich mit ihm, eben selbst
brieflich, gewissermassen nur mit offener Karte verkehren kann:
Ihr Empfang seitens des Königs würde in jeder erdenklichen Weise
verhindert worden sein.

Wagner an Francois Wille 20.6.1866, Wagner, Richard: Briefe 1830-1883.
Hrsg. von Werner Otto. Berlin 1986, S. 298-299.

Neue Menschen! Neue Menschen! Sie sind verrathen, wenn Sie diess
nicht thun. - Halten Sie getrost Jeden für Ihren Feind, wer Ihnen
gegen die Berufung des Fürsten Hohenlohe spricht. Um Gotteswillen,
keiner persönlichen Abneigung hier Raum geben! Der Fürst ist ein vornehmer,
unabhängiger, ernstgebildeter, liberaler Mann: Jedenfalls ein Mann,
der eine Meinung hat [...] Ich beschwöre Sie: empfangen Sie den
Fürsten persönlich! Verkehren Sie überhaupt mit allen Menschen, deren
Sie bedürfen, persönlich.

Wagner an Ludwig 27.7.1866, König Ludwig II. und Richard Wagner. Briefwechsel.
Mit vielen anderen Urkunden in vier Bänden herausgegeben vom
Wittelsbacher Ausgleichsfonds und von Winifred Wagner. Bearbeitet
von Otto Strobel. Zweiter Band. Karlsruhe 1936, S. 83.

Dem Fürsten Hohenlohe habe ich, als er mich zuletzt in München
besuchte, in der vorstehenden Weise meine Gedanken mitgetheilt:
der trockene Herr blitzte auf; es leuchtete etwas in ihm, was mir
sehr wohl gefiel. Er wird Ihnen verständig helfen, aber Sie, Sie,
mein hoher Freund, Sie müssen wollen, klar und bestimmt wollen.
Ergreifen Sie das Bündniss mit Preussen mit der höchsten Energie, und
lassen Sie Bayern Hülfe und Mitwirkung als ungemein werthvoll erkennen.

Wagner an Ludwig 25.4.1867, König Ludwig II. und Richard Wagner. Briefwechsel.
Mit vielen anderen Urkunden in vier Bänden herausgegeben vom
Wittelsbacher Ausgleichsfonds und von Winifred Wagner. Bearbeitet
von Otto Strobel. Zweiter Band. Karlsruhe 1936, S. 168.

Die französischen Unverschämtheiten und Drohungen tasten die Ehre
Deutschlands an: die Abwehr ist im ganzen Volke ersehnt. Der
volksthümliche Krieg steht bevor: wer entscheidenden Theil an ihm
nahm, wird vom deutschen Volk über Alles hochgeehrt sein: Jetzt oder
niemals! Rufen Sie Ihr kräftiges Bayern auf: höchste Energie den
Kriegsrüstungen! Befehlen Sie Eines, und immer nur Eines: höchste
Anspannung der bayerischen Wehrkraft, und zwar sofort, schleunigst.
Um Gottes Willen lassen Sie Sich von Preussen nicht antreiben!
Vorwärts! Vorwärts! Jetzt gilt es, zur preussischen Waagschale
auch die bayerische zu hängen: so machen Sie sich zum Führer von
Süddeutschland...

Wagner an Ludwig 25.4.1867, König Ludwig II. und Richard Wagner. Briefwechsel.
Mit vielen anderen Urkunden in vier Bänden herausgegeben vom
Wittelsbacher Ausgleichsfonds und von Winifred Wagner. Bearbeitet
von Otto Strobel. Zweiter Band. Karlsruhe 1936, S. 168.

Mit dem 'Parsifal' steht und fällt meine Bayreuther Schöpfung.
Allerdings wird diese vergehen, und zwar mit meinem Tode; denn wer
in meinem Sinne sie fortführen sollte, ist und bleibt mir unbekannt
und unerkenntlich.

Wagner an Angelo Neumann 29.9.1882, Wagner, Richard: Briefe 1830-1883.
Hrsg. von Werner Otto. Berlin 1986, S. 447.

Meine Absicht war, dem Publicum unentgeltliche Vorstellungen zu
bieten, einzig und allein gestützt auf die Beiträge Einzelner. Doch
ich fand in Deutschland jenes Tausend freigebiger und patriotischer
Personen nicht. Ja weit schlimmer, selbst die ganze Presse wendete
meiner Idee den Rücken und nahm gegen mich Stellung. Keine Classe der
Gesellschaft, weder der Adel noch die Finanz-Capacitäten, noch die
Gelehrten wollten mir beistehen. Meine ganze Stütze liegt in der Masse
des Volkes, welches trotz aller Verleumdungen und Denunciationen meiner
Person und meines Vorhabens treu zu mir stand, und diesem allein sollen
meine Vorstellungen gelten. Da jedoch diese Masse der finanziellen Mittel
ledig ist, entschloss ich mich, die Plätze zu verkaufen und nur deren 300
für dürftige Musikkünstler zu reservieren. Ich glaube nicht, dass es
Deutschland zum Ruhme gereicht, wenn Amerika eine Hilfe leisten musste.

Wagner an Dexter Smitte Juni 1874, Neue Freie Presse 25. August 1874.


You can also read quotations from Wagner's other writings.


Back to Richard Wagner Archive.


hansalmi@utu.fi